Historisch präzise, atmosphärisch und von einer großartigen Hauptfigur getragen ¿ nur die zahlreichen Sexszenen waren mir zu viel.
Ich habe es genossen, abends bei Tee und gedämpftem Licht in diese Welt einzutauchen und Tugomirs Weg zu verfolgen. Seine Zerrissenheit als Geisel an Heinrichs Hof, seine Hingabe an seine Arbeit als Heiler und Lehrer - und dabei immer das Heimweh im Herzen - machen ihn zu einer außergewöhnlich vielschichtigen Hauptfigur.Besonders liebe ich Tugomirs schwarzen Humor und seine trockene Art, sich über das Leben in Ottos Reich zu äußern. Gerade dieser oft bissige Blick verhindert, dass er lediglich als passives Opfer seiner Umstände erscheint.Als Historikerin haben mich die präzise Darstellung der Schlachten, die Lage der Brennaburg und die anschaulich geschilderte Lebensweise dieser Zeit gefangen genommen. Rebecca Gablé zeigt hier, wie Geschichte vermittelt werden kann: fundiert und detailreich, ohne dass der Roman zum verkleideten Lehrbuch wird.Mir ist bewusst, dass es in den Schlafkammern des Frühmittelalters nicht weniger lustvoll zuging als heute. Für meinen Geschmack enthält der Roman dennoch zu viele Sexszenen. Ihre Häufung hat meinen Lesefluss gestört und kostet das Buch einen Stern.Mehr möchte ich nicht schreiben, ohne wichtige Entwicklungen vorwegzunehmen. Nur so viel: Tugomirs Weg zwischen zwei Welten hat mich bis zum Ende nicht losgelassen.