So sieht also die Welt aus, wenn ihre Bewohner zu viel mit Quantenmechanik, dem Internet und Nanotechnologie herumspielen: Die Menschen, die noch die Erde bevölkern, kennen weder Literatur noch bildende Künste, sie ziehen ihre Kinder nicht mehr als Paare auf und werden in jeder Lebenslage von Robotern bedient. Vier mal zwanzig Jahre wird ihr Leben in einer geheimnisvollen Klinik verlängert, danach werden sie zu den legendären "Nachmenschen" in die künstlichen Ringwelten auffahren, die die Erde umkreisen. Glauben sie jedenfalls. Sie sind hedonistisch, geschichtslos und unwissend. Als einzige Unterhaltung (neben vielen, vielen Parties) lassen sie sich mit einem "Turin-Tuch" den Trojanischen Krieg als eine Art Daily Soap ins Gehirn projizieren.Doch der Trojanische Krieg findet tatsächlich statt, wie der Altphilologe Hockenberry am eigenen Leib erlebt: Die Götter haben den Unidozenten aus dem 21. Jahrhundert zu sich geholt, damit er als Chronist die Geschehnisse verfolgt. Unerkannt bewegt er sich zwischen den Reihen der Krieger, und dank seiner exzellenten Kenntnis der "Ilias" ist er bei jeder entscheidenden Wendung der Handlung vor Ort dabei. Er berichtet den Göttern auf dem "Olymp", der sich, wie bald klar wird, auf dem Planeten Mars befindet.Der rote Planet ist auch das Ziel einer Handvoll biologisch-kybernetischer Lebewesen aus dem Jupiter-System. Dort haben sie eine Mission zu erfüllen, deren Sinn sie selbst nicht kennen. Nach einer gefährlichen Odyssee treffen sie hier auf Hockenberry, der inzwischen seine Rolle als neutraler Beobachter aufgeben musste und in die Geschehnisse rund um Troja entscheidend eingegriffen hat ... Und auch die Handvoll Erdenmenschen, die sich auf den Weg gemacht haben, die Rätsel der Ringwelt zu erkunden, erleben eine schaurige Überraschung. Der Einstieg in die Geschichte gelingt dem Leser nicht mühelos, aber die außergewöhnliche Story und der hohe Unterhaltungswert lohnen sich am Ende schon.