Sophies Geschichte im Ersten Weltkrieg war emotional und fesselnd, Livs Teil leider schwächer. Ein schönes Ende, insgesamt solide 3 Sterne.
Inhalt:Der Roman erzählt eine Geschichte auf zwei Zeitebenen, die durch ein besonderes Gemälde miteinander verbunden sind. Während der Erste Weltkrieg Europa erschüttert, lernen wir Sophie kennen, die in einem besetzten französischen Ort alles daransetzt, ihre Familie zusammenzuhalten und die Erinnerung an ihren Mann zu bewahren. Viele Jahrzehnte später, in der Gegenwart, begleitet man Liv, die nach einem schweren Verlust an genau diesem Bild festhält, weil es für sie weit mehr ist als nur ein Kunstwerk. Vergangenheit und Gegenwart verweben sich zu einer Geschichte über Liebe, Verlust, Hoffnung und die Frage, wem Erinnerungen eigentlich gehören. Eigene Meinung:Besonders der Teil, der während des Ersten Weltkriegs spielt, hat mich sehr berührt. Sophies Geschichte war emotional, stellenweise spannend und voller leiser Verzweiflung, aber auch von großer Stärke geprägt. Sophie ist eine beeindruckende Protagonistin, die versucht, ihre Familie so gut es geht zu schützen und selbst in aussichtslosen Situationen nicht aufgibt. Ich habe stark mit ihr mitgefiebert und hätte mir gewünscht, noch viel mehr über sie und ihr Schicksal zu erfahren, da dieser Handlungsstrang für mich eindeutig der stärkere war.Der zweite Teil in der Gegenwart rund um Liv konnte mich dagegen deutlich weniger abholen. Liv empfand ich stellenweise als anstrengend und nervig, sodass mir das Weiterlesen zeitweise schwerfiel. Dennoch mochte ich ihren Kampfgeist und ihren Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Ihr Einsatz für das Bild war nachvollziehbar, auch wenn mir der emotionale Zugang zu ihr insgesamt gefehlt hat.Sehr positiv hervorheben möchte ich das Ende. Die Auflösung war stimmig, emotional und hat die beiden Zeitebenen gut miteinander verbunden. Es hat mir das Gefühl gegeben, dass sich der Weg durch die Geschichte letztlich gelohnt hat.Fazit:"Ein Bild von dir" überzeugt vor allem durch seinen historischen Teil, der mich emotional stark mitgenommen hat und mit einer außergewöhnlich starken Protagonistin punktet. Die Geschichte in der Gegenwart konnte mich dagegen nicht vollständig überzeugen, auch wenn einzelne Aspekte durchaus gelungen sind. Das schöne, runde Ende hinterlässt jedoch einen positiven Gesamteindruck. Insgesamt ein Roman mit Stärken und Schwächen, der für mich solide, aber nicht herausragend war.