"Die Vergangenheit ist so viel sicherer, weil alles schon einmal passiert ist. Es kann nicht mehr verändert werden; insofern gibt es irgendwie auch nichts zu befürchten."InhaltStan und Charmaine bekommen ein verheißungsvolles Angebot: Wenn sie sich dem Positron-Projekt anschließen, bekommen sie ein gutes Auskommen, eine sinnvolle Arbeit, ein schönes Haus - alles als Beigabe für ein wechselndes Leben in Zivil, gegen eines im Gefängnis. Monat um Monat werden Sie zwischen "drinnen" und "draussen" wechseln und sich alles mit einem anderen Paar teilen. Die reale Welt bietet ihnen ohnehin nur ein armseliges Leben im Auto verbunden mit ständiger Flucht vor räuberischen Banden, so dass ihnen die Wahl nicht schwer fällt. Die ersten Monate gestalten sich hervorragend für beide, doch dann begegnet Charmaine dem männlichen Bewohner, der in ihrer Abwesenheit ihr Haus bewohnt und zwischen den beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche Affäre. Und auch Stan findet die erotischen Botschaften, die anscheinend von der anderen Ehefrau stammen sehr betörend. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann ihr gegenseitiger Vertrauensbruch ans Licht dringen wird. Leider wissen beide nicht, das die oberen Machthaber des Positron-Projektes ganz eigene Ziele verfolgen und sich nur zu gern dem naiven Paar annehmen ...MeinungSo nach und nach lese ich mich durch die Werke der kanadischen Autorin Margaret Atwood, die mich mit vielen ihrer Roman schon sehr begeistern konnte. Auch hier habe ich eine abwechslungsreiche, hintergründige Geschichte in einer bösen Welt mit verdorbenen Menschen erwartet. Und das Gedankenexperiment zwischen Heim und Gefängnis ist sehr anregend gestaltet, vor allem, weil es die normalen Beziehungsaspekte nicht nur auf ein komplexes System überträgt, sondern auch nach und nach eine gesellschaftliche Entwicklung voller dunkler Machenschaften aufdeckt. Und mittendrin das einfach gestrickte Paar - klare Bedürfnisse, geringe Ansprüche und ein fast unverschämter Glaube an das Gute im Menschen. Die beiden Protagonisten sind trotz ihrer simplen Art irgendwie sympathisch und passen so wenig zu den Fadenziehern im Hintergrund, dass es dem Leser viel Freude bereiten kann, sich die Überlegungen, Dispute und Entscheidungen aus mehreren Perspektiven vor Augen zu führen.FazitHier vergebe ich gute 4 Lesesterne für ein temporeiches, dystopisches Buch mit echt schrägen Typen, einer speziellen Erzählstruktur und vielen Seitenhieben auf die Schattenseiten der Reichen und Schönen. Einziges Manko: es geht irgendwie immer um Sex - wer mit wem, Tier mit Mensch, Männer mit Frauen, egal ob eine, mehrere oder andere, schließlich noch Mensch und Maschine: Die Aussage - erst der Körper, dann das Herz - oder noch besser - das Herz kommt zuletzt! Das Setting passt zwar nicht so ganz aber ein bisschen Rotlicht-Milieu muss man hier vertragen, die entsprechende Stimmung wird zumindest angeschnitten. Ansonsten hab ich kaum was zu meckern. Die Lektüre unterhält, zeigt die Schattenseiten und Luxusmomente des Menschseins und vermittelt unterschwellig sogar eine gute Prise Humor. Ich hatte meinen Spaß damit!