Klappentext:Frauen als unterdrückte Gebärmaschinen. Ein totalitärer Staat, der keine Gnade kennt. Und eine stille Heldin, die den Ausbruch versucht: "Der Report der Magd" ist große Literatur und noch viel mehr.Für Millionen Leserinnen auf der ganzen Welt ist Margaret Atwood die wichtigste literarische Stimme eines warnenden Feminismus. Ihre beklemmende Dystopie löste bei Erscheinen im Jahr 1985 einen kollektiven Aufschrei aus. Die weltweite Faszination ist geblieben.Die provozierende Vision eines totalitären Staats: Nach einer atomaren Verseuchung ist ein großer Teil der weiblichen Bevölkerung unfruchtbar. Die Frauen werden entmündigt und in drei Gruppen eingeteilt: Ehefrauen von Führungskräften, Dienerinnen und Mägde. Letztere werden zur Fortpflanzung rekrutiert und sollen für unfruchtbare Ehefrauen Kinder empfangen. Auch die Magd Desfred wird Opfer dieses entwürdigenden Programms. Doch sie besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können, nämlich ihre Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe, auf Leben ...Meine Meinung:Ich bin über die Serie The Handmaid's Tale auf Disney+ gestolpert und war sofort gefesselt. Ich bin komplett in diese Welt eingetaucht und wollte unbedingt wissen, woher das alles kommt. So bin ich schließlich bei Der Report der Magd von Margaret Atwood gelandet.Und ehrlich gesagt hat mich das Buch genauso wenig losgelassen wie die Serie.Die Geschichte spielt in Gilead, einem ehemaligen Teil der USA, der nach einem religiösen Umsturz zu einem totalitären Regime geworden ist. Frauen haben keinerlei Rechte mehr. Sie dürfen weder lesen noch arbeiten noch über ihr eigenes Leben bestimmen. Sie existieren nur noch als Besitz und im schlimmsten Fall als Gebärmaschinen.Im Zentrum steht June Osborn, die als Magd im Haushalt eines Kommandanten lebt und gezwungen wird, für ihn ein Kind zu bekommen. Allein diese Ausgangssituation ist schon schwer auszuhalten, aber was das Buch daraus macht, geht noch viel tiefer.Besonders spannend fand ich die Form. Die Geschichte ist wie ein Bericht aufgebaut, fast wie ein persönliches Protokoll. June erzählt bruchstückhaft von ihrem Leben nach dem Umsturz, ihren Erinnerungen, ihren Gedanken. Dazwischen stehen die sogenannten historischen Anmerkungen aus der Zukunft, in denen ihr Bericht wie ein Fundstück analysiert wird. Das macht das Ganze noch beklemmender, weil es plötzlich nicht mehr nur wie Fiktion wirkt, sondern wie etwas, das tatsächlich passiert sein könnte.Die Handlung an sich ist ruhig und unspektakulär. Es geht nicht um große Action, sondern um das Aushalten, das Erinnern und das Überleben. Gerade das hat es für mich so intensiv gemacht. Margaret Atwood schreibt nüchtern und teilweise fragmentarisch, was die Ausweglosigkeit nur noch verstärkt.Ein Detail, das mir erst nach und nach bewusst wurde, hat mich besonders getroffen. Die Namen der Mägde. June wird "Desfred" genannt, eine Andere heißt zum Beispiel "Desglen". Am Anfang habe ich das einfach hingenommen, ohne groß darüber nachzudenken. Bis mir klar wurde, dass das nicht einfach Namen sind. Sie bedeuten "des Fred", "des Glen". Die Frauen besitzen nicht einmal mehr ihre eigene Identität. Sie gehören ihren Kommandanten. In Junes Fall ist das Fred Waterford. Dieser Moment des Verstehens hat für mich noch einmal deutlich gemacht, wie konsequent dieses System Frauen entmenschlicht.Es ist definitiv keine leichte Lektüre. Der Umgang mit Frauen, die völlige Kontrolle über ihre Körper und ihr Leben, das alles ist schwer auszuhalten. Und gleichzeitig wirkt es erschreckend real. Gerade weil das Buch schon in den 80ern geschrieben wurde, fühlt es sich heute fast noch aktueller an.Fazit:Für mich war "Der Report der Magd" keine Geschichte, die man einfach liest und wieder weglegt. Es ist ein Buch, das nachwirkt, das einen beschäftigt und das einem unangenehme Fragen stellt. Genau das macht es so stark.