Kinder lesen bitte in Begleitung Erwachsener
Nach "Ein Junge namens Weihnacht" legt Matt Haig mit "Das Mädchen, das Weihnachten rettete" eine Schippe drauf. Die Bücher lassen sich unabhängig voneinander lesen, wobei ich persönlich schön finde, wenn man einige Charaktere schon kennt und sich auf das Wiedersehen freuen kann.Cover/Gestaltung: Das Cover ist sehr schön in einem weihnachtlichen Rot gestaltet, was mich sehr anspricht. Das Buch ist gefüllt mit wunderbaren und kreativen Illustrationen, die die Charaktere wirklich sehr gut darstellen. Vor allem die Zeichnungen der Wichtel sind zuckersüß.Schreibstil: Der Schreibstil ist etwas speziell und gewöhnungsbedürftig. Trotzdem finde ich ihn sehr schön und außergewöhnlich. Gefühle und Gedanken der Protagonist:innen werden sehr anschaulich beschrieben. Der Autor nimmt uns in ein trostloses London im 19. Jahrhundert sowie eine winterlich wundersame Welt namens Wichtelgrund mit. Dabei wird sich aber nicht in zu vielen Details verloren, aber die Atmosphäre wird trotzdem in jedem Kapitel gut transportiert. Inhalt: Im Gegensatz zum Vorgänger werden hier drei Handlungsstränge gleichzeitig abwechselnd beschrieben. Wir lernen Amelias tragische Geschichte kennen und folgen ihr in ein grausames Arbeitshaus in London im 19. Jahrhundert. Parallel werden die Herausforderungen in Wichtelgrund und die Reise des Weihnachtsmannes auf der Suche nach Amelia beschrieben. Außerdem folgen wir in ein paar Kapiteln der Wichtelin Nusch und ihrem kleinen Sohn zu den Trollen, die sich gegen Weihnachten verschworen haben. Damit ist die Geschichte deutlich vielschichtiger. Das Buch glänzt mit herausragenden kreativen Einfällen und wundervollen Botschaften. Ganz klar im Zentrum steht das Thema Hoffnung. Ohne Hoffnung gibt es keine Wunder. Matt Haig beweist, wie auch an dem trostlosesten Ort Hoffnung entstehen und was sie bewirken kann. Die Geschichte hat einige tragische und grausame Kapitel, aber dafür auch wieder viele herzerwärmende Zeilen. Einige Passagen haben mich zum Nachdenken angeregt, andere haben mich richtig berührt.Trotzdem ist das Buch sehr humorvoll geschrieben und man muss immer wieder laut lachen beim Lesen. Ganz besonders originell finde ich das Treffen mit Königin Victoria sowie mit Charles Dickens. Auch Wichtelgrund ist ein sehr fantasievoller Ort, an dem sehr lustige Dinge passieren. Charaktere: Hauptprotagonistin ist Amelia, ein junges Mädchen mit einem schrecklichen Schicksal. Trotz ihrer Umstände beweist sie immer wieder Herzensgüte und ein hoffnungsvolles Herz. Damit wird sie zum Vorbild und einer starken, mutigen Protagonistin.Der Weihnachtsmann ist ein wirklich wundervoller, herzensguter Charakter. Ich bin froh, das Vorgängerbuch bereits gelesen zu haben, da man auch jetzt eine starke Charakterentwicklung von Nikolas sehen konnte.Ich habe mich über das Wiedersehen mit viele kreativen Charakteren aus dem ersten Band gefreut. Die vielen Wichtel sowie die Wahrheitselfe haben ihre Auftritte. Aber wir lernen auch einige neue Charaktere kennen, wie Charles Dickens, Königin Victoria, die herzensgute Mary und Mr. Creeper. Mit Mr. Creeper hat der Autor den perfekten Antagonisten geschaffen, der so abscheulich ist, dass man alleine schon deswegen weiterlesen muss, dass man sein gerechtes Schicksal erfährt.Die Geschichte weist alle Facetten von Menschen auf: Liebe, Lebensfreude, Habgier, Boshaftigkeit, Trauma, etc. Diese Aspekte werden in den menschlichen Charakteren sichtbar. Matt Haig macht es den Lesenden leicht bestimmte Personen zu lieben (wie den Weihnachtsmann oder Mary) und andere zu verachten (wie Mr. Creeper oder den Schutzmann). Auch in der Wichtelwelt haben wir es bei Nusch oder Väterchen Toppo keine Probleme, sie in unser Herz zu schließen. Bei anderen haben wir es da eher schwer.Fazit: Meiner Meinung nach handelt es sich auch schon wie bei "Ein Junge namens Weihnacht" nicht um ein Kinderbuch. Es ist ein bisschen weniger düster als der Vorgänger, aber macht schamlos Grausamkeit und Ungerechtigkeit spürbar. Mir hätte das Buch als Kind nicht gefallen - ich hätte es zu grausam gefunden. Aber dennoch handelt es sich um eine Geschichte voller Hoffnung und Wunder. An einigen Stellen sind mir fast die Tränen gekommen, an anderen habe ich herzlich gelacht. Es ist auf jeden Fall ein lesenswertes Buch für die Adventszeit. Kinder lesen es am besten mit einer erwachsenen Person zusammen, damit man bspw. Szenen im Arbeitshaus oder den Tod Amelias Mutter besprechen und reflektieren kann.