Spoilerfreie Meinung¿Bevor Band 6 & 7 der "Reich der sieben Höfe" Reihe erscheinen, wollte ich die ersten Bände der Reihe nochmal lesen. Nachdem mir Band 3 "Sterne und Schwerter" (mit 4 Sternen bewertet) gut gefallen hat, ging es mit "Frost und Mondlicht" leider etwas langatmiger weiter. Eigentlich war ich gespannt auf eine ruhigere Handlung. Aber die ersten 100 Seiten zogen sich für mich sehr durch verwirrende Perspektiven, viele Taktikbesprechungen und verschiedene Handlungsstränge, die nicht auserzählt wurden. Wenn man die Struktur des ACOTAR-Reiches durchblickt und mag, gibt es in diesem Buch viele weitere interessante Details. Für mich persönlich hätte dieses Buch aber mit ein paar Kapiteln mehr in Band 3 zusammengefasst werden können.Achtung, ab hier folgen Spoiler¿Setting¿¿¿Durch einen verwirrenden Einstieg kam bei mir zunächst keine Wohlfühlatmosphäre auf. Aber der Feiertag kam näher und so auch die Stimmung im Haus des Windes. Die Kulissen waren mir zwar bekannt aus den anderen Bänden, aber vertraut wirkten sie nicht.Charaktere¿¿¿RhysandIch fand es sehr spannend, alle Charaktere weiter kennenzulernen. Mein Blick auf Rhys hat sich im letzten Band ins Positive verändert. Diese Novelle hingegen bestätigte meinen Eindruck aus den ersten Büchern. Da fand ich ihn teilweise zu besitzergreifend. Auf der anderen Seite behandelt Feyre ihn genauso. Es entspricht einfach deren Umgang. Feyre macht sich Sorgen um Rhys, weil er wenig gegessen hat. Daraufhin meint er, dass sie einen ganz schönen Aufstand mache. Feyre kontert: "Das ist mein Job, ganz davon abgesehen, dass du ständig einen Aufstand machst, wegen viel unwichtigeren Dingen.Zum Treffen zwischen Rhys und Tamlin: Rhys war fast erfreut über Tamlins Zustand. Einerseits verstehe ich seinen Unmut über Tamlins Verhalten. Andererseits würde Rhys Feyre ohne Tamlin gar nicht kennen, Amarantha wäre nicht besiegt & Rhys würde nicht mehr leben. Und trotzdem denkt er: "Ich konnte ihn ja immer noch zerfleischen, wenn der Friede beschlossene Sache war." Für mich zu brutal. Er hätte auch einfach über Tamlins Zustand "nur" Genugtuung verspüren können. Rhys versteht nicht, wie Tamlin die Kontrolle über seine Emotionen so verlieren kann. Er macht sich regelrecht darüber lustig, nur um dann kurze Zeit später, die Zähne zu blecken: "Ich tat es ihm nach, hatte es nicht mehr unter Kontrolle." Feyre erschreckt sich im Gespräch danach über Rhys Wunsch Tamlin "kaltzumachen". Es tat gut zu lesen, dass sie das nicht als positiv wahrnimmt.FeyreIch freute mich mit ihr mit, dass sie wieder anfing zu malen und für sich eine Art "Job" mit den Malkursen für Kinder aufbaute. Ich hoffe, dass wir darüber in Band 5 mehr erfahren.ElainFeyre möchte gerne ein besseres Verhältnis zwischen Lucien und Elain herstellen. Ich verstehe Feyres Wunsch, aber sie berücksichtigt dabei Elains Gefühle kaum. Auch wenn Lucien ihr ein Geschenk mitbringt, hat er kein Anrecht auf ihre Zeit und Zuwendung (Zitat Elain). Ich wünsche mir für die nächsten Bände, dass die drei Schwestern mehr miteinander sprechen und Feyre wenigstens versucht, Elain und Nesta zu verstehen.Handlung¿¿,5Für mich war der Einstieg (die ersten 100 Seiten) sehr langatmig. Danach hatte ich das Gefühl, über die Charaktere ein bisschen mehr zu erfahren. Es wurde definitiv flüssiger als zu Beginn. Nesta machte mich neugierig und mit Feyre konnte ich mitfühlen. Im Mittelteil nahmen dann aber doch einige Taktikbesprechungen für mich überhand, da ich nicht alle Strukturen vollständig durchblickte.Im gesamten Buch hatte ich das Gefühl, dass viele Handlungsstränge nur angeschnitten wurden. Über Feyres Malkurse, Cassians Bemühungen für Frauenrechte, Tamlins Zustand und auch die Information, dass die Königinnen immer noch nicht zurück sind, erfuhr man immer nur einen Bruchteil. Dadurch fühlte sich das Ende des Buches nur wie ein Kapitelabschluss an. Ich hatte das Gefühl, dass ich außerdem oberflächliche Eindrücke über die Personen bekommen habe, obwohl gerade Alltagszenen mehr Einblick ermöglichen. Ich mag "unspannende" Bücher mit Alltagseinblicken eigentlich sehr gerne. Aber hier musste ich fast kämpfen, weiterzulesen.Schreibstil-Gefühl¿¿,5Es waren sehr viele Beschreibungen, die das Buch für mich in die Länge zogen. Ich kam deshalb nicht gut rein. Dazu trug außerdem bei, dass Feyres & Rhysands Erzählungen aus der Ich-Perspektive geschrieben wurden und alle anderen aus der Er/Sie Perspektive. Teilweise war es sehr holprig zu lesen, wie hier: "Kapitelüberschrift: Mor; Textbeginn: Sie hatte Feyre angelogen." Das Kapitel davor war aus der Ich-Perspektive. Also fragte ich mich, wer Feyre angelogen hat. Mor, natürlich. Das ist mir aber erst beim zweiten Mal Drüberlesen aufgefallen.Unterhaltung¿¿,5Das Buch hat mir wenig Spaß gemacht. Gegen Ende besserte es sich und die Feiertagsstimmung steckte an. Trotzdem holte mich dieses Buch weder emotional noch mit charakterlicher Tiefe wirklich ab. Weiterlesen werde ich trotz allem, da mich Nestas Perspektive sehr interessiert. Und ganz ehrlich: Viele sagen, dass Band 5 besser als dieses Buch ist. Darauf vertraue ich und bleibe gespannt.