Eine gelungene Fortsetzung
In diesem zweiten Teil der vier-teiligen Napoleon-Saga begleiten wir die beiden Kontrahenten, Napoleon und Arthur Welsley in den Jahren von 1795-1803. Während Napoleon seine Italien-Armee auf Vordermann bringt und so manchen Sieg nur mit viel Glück und noch höherem Blutzoll erringt, wird Arthur Welsleys 33. Regiment nach Indien verlegt, um dort die Interessen der Ostindiengesellschaft sowie Englands zu schützen. Auch in Indien gibt es in zahlreichen Schlachten gegen die Marathen ein Gemetzel nach dem anderen, aus denen Arthur siegreich hervorgeht, nachdem er die Truppen ordentlich ausgebildet hat. Als einer der wenigen Engländer lernt er Hindustani, die Sprache der Einheimischen, was ihm durchaus Respekt bei den örtlichen Granden, aber Missfallen bei den Engländern einträgt. Die Lebensläufe der beiden Männer ähneln sich: Napoleon lernt Josephine de Beauharnais kennen, Arthur Kitty Pakenham. Beider Familien sind gegen die Heirat, doch Napoleon kann sich durchsetzen, während Kittys Vormund und Bruder den nahezu mittellosen Arthur ablehnt. Beide sind ausgezeichnete Strategen, wobei Arthur ein wenig empathischer erscheint. Nach dem die englische Flotte unter Admiral Nelson jene der Franzosen zu Kleinholz verarbeitet hat, und Napoleon die Festung Akkon nicht erobern konnte, lässt er seine Truppen in Nordafrika zurück. Das kostet ihn sowohl bei seinen Generälen als auch bei der Mannschaft (und den Lesern) Sympathien. Napoleon ist rücksichtslos, wenn es darum geht, seine Macht zu festigen. Jahre später wird der denkwürdige Satz, mit dem er ganz recht hat, fallen: "Wenn ich aufhöre zu siegen, bin ich tot." Auch das Direktorium in Paris ist wenig begeistert. Da helfen auch die erbeuteten Kunstschätze, die er aus aller Herren Länder schickt, wenig. Noch bevor Napoleon gänzlich in Ungnade fällt, reißt er mit einem Staatsstreich die Macht als Erster Konsul an sich. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden sich die beiden mit ihren Armeen gegenüberstehen. Meine Meinung: Wie schon im ersten Teil (Schlacht und Blut) hat Autor Simon Scarrow ordentlich recherchiert und die Karrieren der beiden Kontrahenten in diesem historischen Roman opulent erzählt. Das Buch ist der zweite Teil einer vierbändigen Saga rund um die beiden Männer, die im selben Jahr (1769) geboren worden sind und die das Schicksal Europas mehr als 25 Jahre in Händen gehalten haben. Es handelt sich hier allerdings nicht um eine echte Doppelbiografie wie er abermals in seinem Vorwort schreibt. Er weist darauf hin, "nur" einen Roman rund um historische Fakten verfasst zu haben. Einiges, was Napoleon-Kenner aus Büchern von Günther Müchler, Johannes Willms, Adam Zamoyski, Franz Herre oder Eckard Kleßmann kennen, ist weggelassen worden, da es den Umfang der Reihe von ohnehin rund 3.300 Seiten vollends gesprengt hätte. Auch dieser Teil der Saga ist nichts für Zartbesaitete, denn auch in Indien werden Soldaten getötet und Zivilisten massakriert. Fazit: Eine gelungene Fortsetzung, die die Karrieren der beiden ausgezeichneten Strategen über acht Jahre hinweg beleuchtet. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.