Interessante und gut gemachter Fantasy, aufgebaut auf slawischen Märchen/Mythen
"Der Bär und die Nachtigall" ist der erste Teil einer Trilogie aus der Feder von Katherine Arden. Es ist ein toller Fantasy, der sich mit den slawischen Mythen und Märchen auseinander setzt. Wasja, das jüngste Kind von Fünfen, sieht das, was unseren Augen verborgen bleibt. Denn sie weiß: Die Gestalten aus den Märchen und Geschichten die Dunja, ihr Kindermädchen, ihr und ihren Geschwistern erzählt, existieren wirklich. Ob gute Hausgeister oder heimtückische Wesen im dunklen Wald. Wasja geht offen auf diese zu und findet so manchen Freund unter ihnen. Dadurch wird sie im Dorf schnell als wunderlich, eigenwillig und sogar als Hexe verschrien. Besonders ihre zutiefst gläubige Stiefmutter würde sie am liebsten vom Hof jagen. Als dann noch ein Priester aus dem fernen Moskau seinen fanatischen Glauben durchsetzt, überschlagen sich die Ereignisse. Denn wenn der Glaube an die alten Geister schwindet, schwinden auch sie. Und können somit die Menschen nicht mehr vor den todbringenden Wesen schützen. Doch Wasja ist wild entschlossen, ihre Lieben zu beschützen - koste es was es wolle.Mir hat diese Geschichte gut gefallen. Die slawische Folklore war mir bis zu diesem Buch völlig fremd. Daher kann ich nicht viel dazu sagen, in wieweit die Geschichte von den eigentlichen Märchen und Sagen abweicht. Ich habe aber dies doch recht rohe und besonders kalte Buch sehr genossen. Es war nicht immer einfach zu lesen, da ich wie gesagt viele Begriffe nicht kannte. Dazu sei aber gesagt, dass am Ende des Buches ein Glossar auf wissbegierige Leser*innen wartet. Auch war es manchmal etwas unübersichtlich, denn fast jeder der im Buch vorkommenden hat nicht nur einen (Adels)Titel, sondern auch noch (mehrere) Kosenamen. Ich weiß zufällig, dass Sascha die Koseform von Alexander ist und Olje für Olga kann man sich vielleicht noch herleiten. Es empfiehlt sich aber, das Buch immer aufmerksam zu lesen. Wasja ist eine unglaublich starke Hauptperson, die mich mit ihrer ehrlichen, mutigen und manchmal sturen Art sofort in ihren Bann gezogen hat. Auch die anderen Menschen waren toll gezeichnet, machten stimmige Entwicklungen durch und haben sich, meiner Meinung nach, passend zur Geschichte verhalten. Es war sehr spannend über die unzähligen Schutzgeister, Dämonen und Sagengestalten zu lesen und diesen ganz eigenen slawischen Märchenkult zu erkunden. Das Buch ist wunderschön gestaltet. Das Cover gefällt mir sehr gut, es ist passend zum Thema slawisch und winterlich gehalten. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und beginnen immer auf der rechten Seite, was mir sehr gefällt. Der Schreibstil ist super flüssig und ich konnte die Eiskristalle quasi an den Händen spüren. Den zweiten Teil möchte ich auf jeden Fall auch noch lesen - aber am besten erst im Sommer, denn beim lesen hat es mich echt ab und zu gefroren...