Ein typisch-verschachtelter (und wegen des Humors diesmal doch untypischer) Agatha-Christie-Krimi ...
Man steigt recht angenehm und übersichtlich in diesen Krimi ein, in dem Poirot von einem Polizeiermittler um Hilfe gebeten wird. Denn ein Mörder soll demnächst gehängt werden, für den zwar alle Beweise sprechen, aber sonst wenig. Der Belgier richtet sich kurzerhand in der einzigen dörflichen Unterkunft, die sich bietet, ein - und leidet gleich in mehrfacher Hinsicht. Insofern lernt man hier Poirot gut kennen, wie er leibt und lebt und fühlt. Er zeigt sich stets von der kultivierten, (im Umgang mit Menschen) einfühlsamen und psychologisch fachkundigen Seite. Das ist ein großes Lesevergnügen. Der Leser lernt nach der übersichtlichen Phase immer mehr Personen kennen, so dass auch er etwas ins Leiden kommt. Denn wichtig sind nicht nur gegenwärtige Probleme der Belegschaft dieses Krimis, sondern auch Vergangenes. Hätte ich das gewusst, wären detaillierte Notizen dazu hilfreich gewesen. Begeistert war ich dagegen von den vielen deutlich humorvollen Stellen, die ansonsten bei Agatha Christie feiner und auch nicht ganz so häufig zu finden sind. Hier gibt es überraschenderweise fast schon Slapstick-artige Szenen. Das und die Spannung trotz Wirrnis im Kopf (bei der Autorin ergeht es mir allerdings häufig so) hielten mich dabei. Es war ein Trost, dass auch Poirot oft am Verzweifeln war. Zum Glück ist die Auflösung dann verständlich und nicht mehr so wirr. Deshalb hinterlässt "Vier Frauen und ein Mord" alles in einem ein befriedigendes Gefühl. Für den Schreibstil hätte das Buch 5 Sterne von mir bekommen. Ich habe das E-Book von Atlantik gelesen in der (anscheinend guten, alten) Übersetzung von George S. Martin. Zumindest ist mir nichts Ärgerliches aufgefallen, was bei E-Books eher selten ist (auch keine Schreibfehler). Der Originaltitel des Buches ("Mrs. McGintys Dead") ist sicher prägnanter und der deutsche Titel hätte mich nicht angesprochen.