Ein hervorragend konstruierter Thriller mit einer intensiven Atmosphäre und einem mitreißenden Schreibstil.
Meine Meinung ¿Es gibt Thriller, die spannend sind. Und dann gibt es Riley-Sager-Thriller.Schon nach wenigen Seiten zieht einen Verschließ jede Tür in seinen Bann und lässt einen bis zur letzten Seite nicht mehr los. Dieses Buch entwickelt einen Sog, gegen den man sich kaum wehren kann. Kapitel für Kapitel wächst die Anspannung, bis man sich irgendwann dabei ertappt, dass man sich sagt: "Nur noch eins." Und plötzlich sind wieder fünf Kapitel vergangen.Was Riley Sager für mich so besonders macht, ist seine außergewöhnliche Fähigkeit, Atmosphäre aufzubauen. Das Bartholomew ist dabei weit mehr als nur ein Schauplatz - das Gebäude wirkt wie eine eigene Figur. Die langen Flure, die luxuriöse Fassade und die unterschwellige Bedrohung verleihen jeder Szene eine greifbare Spannung. Man hat ständig das Gefühl, dass hinter jeder Tür etwas lauert.Gerade deshalb würde ich jedem empfehlen, dieses Buch möglichst ohne viele Unterbrechungen zu lesen. Manche Geschichten verlieren ihren Zauber, wenn man sie ständig zur Seite legt. Dieser Thriller lebt von seiner dichten Atmosphäre und dem stetig steigenden Nervenkitzel. Er entfaltet seine volle Wirkung, wenn man sich komplett darauf einlässt - fast so, als würde man einen fesselnden Film in einem Zug anschauen.Besonders gelungen fand ich außerdem die Perspektivwechsel. Mit jedem Kapitel entstehen neue Fragen, neue Zweifel und neue Verdachtsmomente. Immer wieder glaubt man, endlich ein Stück der Wahrheit erkannt zu haben, nur um kurz darauf wieder alles infrage zu stellen. Genau dieses permanente Spiel mit den Erwartungen macht Riley Sagers Bücher für mich so faszinierend.Natürlich gab es auch Momente, in denen ich Jules am liebsten zugerufen hätte, endlich misstrauischer zu sein. Gleichzeitig wird aber nachvollziehbar, warum sie viele Warnzeichen ausblendet und an ihren Entscheidungen festhält.Warum also keine fünf Sterne?Der Grund liegt für mich im Finale. Den entscheidenden Plot Twist habe ich vergleichsweise früh kommen sehen. Riley Sager überrascht mich normalerweise mit Wendungen, die ich niemals erahne - hier lagen die Hinweise für meinen Geschmack etwas zu deutlich auf dem Tisch. Dadurch fehlte mir am Ende der ganz große Aha-Moment.Trotzdem bleibt Verschließ jede Tür ein hervorragend konstruierter Thriller mit einer intensiven Atmosphäre, einem mitreißenden Schreibstil und einer Spannung, die von der ersten bis zur letzten Seite trägt.Wer psychologische Thriller liebt, in denen das Setting genauso wichtig ist wie die Handlung, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Für mich gehört Riley Sager nach wie vor zu den Autoren, bei denen ein neues Buch automatisch auf meiner Leseliste landet.