Spannender Krimi mit Tiefgang und geschichtlichem Extra
Auf die "Nordlicht"-Reihe bin ich eher von hinten nach vorne gestoßen: Band 7 durfte ich im Rahmen einer Leserunde bei LovelyBooks lesen - und war so begeistert, dass ich mir danach vorgenommen habe, die gesamte Reihe von Anfang an zu lesen. Band 1 hat mir schon richtig gut gefallen, und Band 2 steht dem in nichts nach.Der Kriminalfall ist von Anfang bis Ende spannend konstruiert. Für mich ist bei einem Krimi wichtig, dass die Auflösung nicht schon auf halber Strecke klar ist - und das gelingt Anette Hinrichs hier wieder hervorragend. Ich konnte bis zum Schluss nicht sicher sagen, wer hinter dem Verbrechen steckt oder wie alles zusammenhängt, ohne dass die Wendungen dabei unglaubwürdig wirken.Besonders gelungen fand ich in diesem Band den historischen und politischen Hintergrund. Die deutsch-dänische Geschichte, das Thema Flüchtlingslager in Oksbøl und real existierende Orte wie der Idstedt-Löwe in Flensburg geben der Handlung eine zusätzliche Tiefe und Authentizität. Mir hat dieser reale Bezug sehr gut gefallen - es fühlt sich an, als würde man ganz nebenbei noch etwas über die Region und ihre Geschichte lernen, ohne dass es belehrend wird.Auch das Ermittlerduo Boisen & Nyborg wächst mir von Band zu Band mehr ans Herz. Beide tragen ihr eigenes Päckchen, und nach und nach erfährt man mehr über ihre Vergangenheit und ihr Privatleben. Gerade Vibekes persönliche Betroffenheit in diesem Fall sorgt für emotionale Momente. Gleichzeitig bleibt der Schwerpunkt klar auf dem Krimi - die Balance zwischen spannender Ermittlungsarbeit und Einblicken in das Leben der Figuren ist für mich perfekt getroffen. Man baut eine Bindung zu den Charakteren auf, ohne dass der Fall selbst in den Hintergrund rückt.Fazit: Eine starke Fortsetzung einer ohnehin schon großartigen Reihe. Spannend, atmosphärisch dicht und mit einem geschichtlichen Bonus, der das Buch für mich noch einmal besonders gemacht hat. Ich werde auf jeden Fall weiter mit Boisen & Nyborg ermitteln.