Emotionales Ende & tolle Gefühle, aber wenig Handlung. Ein paar Fragen am Ende blieben für mich offen.
Achtung, diese Rezension enthält Spoiler!Setting ¿¿¿Eigentlich ist das Setting sehr schön und gemütlich. Aber es kam bei mir nicht wirklich an. Manchmal hatte ich das Gefühl, gar nicht wirklich zu wissen, wo ich mich gerade befinde. Und wenn ich das tat, lag mein Fokus eher auf der Dynamik der Personen und nicht so sehr auf der Atmosphäre des Settings.Charaktere ¿¿¿Harriet war mir gleich am Anfang sympathisch. Ich konnte mich sehr gut in sie einfühlen, sowohl in ihrem Uni-/Arbeitsumfeld als auch in ihre Art. Dass sie sich im Flugzeug nicht traut zu fragen, ob sie auf die Toilette kann, weil die Person aufstehen muss, ist mir dann doch näher, als mir lieb ist. Ich konnte ihre Liebe zu Vorher-Nachher-Aufgaben gut nachvollziehen. Sie stand in einigen Situationen für sich ein, was ich sehr mochte. Im Mittelteil verlor sich das ein bisschen. Da ich nicht wusste, warum sie und Wyn sich getrennt haben, war vieles einfach unverständlich. ZuWyn hatte ich erst wenig Meinung. Auch, weil ich nicht soviel von seiner Persönlichkeit gesehen habe. Alles was ich wusste, war, dass er Harriet das Herz gebrochen hat. Aber gegen Ende war er mir dann doch sympathisch.MitSabrinahatte ich meine Probleme. Sie macht Wyn & Harriet gleich Druck, dass sie nun ein Paar bleiben müssen, nachdem sie zusammenkamen. Sie hat Angst, dass ihre "Found Family" auseinanderbricht. Das verstehe ich auch wirklich. Aber trotzdem macht sie ihren Freunden auch in einigen anderen Situationen Druck und arbeitet das für sich nicht auf. Am Ende sprechen ihre Freunde diese Verlustangst nicht an. Ich verstehe auch, dass sie wirklich alles für ihre Freundinnen tun würde und sich dann wünscht, dass sie auch was zurückbekommt. Aber vielleicht ist das der Punkt, an dem man akzeptieren muss, dass eine Freundschaft entweder mit klarer Kommunikation funktioniert oder eben nicht mehr. Cleoist meine Lieblingsfreundin in dem Buch. Als Harriet & Wyn den anderen mitteilen, dass sie ein Paar sind, machte Sabrina ein bisschen Druck. Und Cleo sagte ihr sofort ihre Meinung dazu. Dass sie es nicht tun sollte. Genauso, wie in einigen anderen Situationen.Kimmyhabe ich erst nach den ersten 100 Seiten wirklich entdeckt. Für mich war irgendwie zuerst nicht deutlich, dass sie die Freundin von Cleo ist. VonParth weiß ich auch wirklich wenig. Ich wünschte, da wäre mehr. Aber er ist für mich nur der Freund von Sabrina, der zu 100% hinter ihr steht und sie liebt.Zu Beginn war ich ein wenig überfordert mit all den Namen, im Verlauf konnte ich es besser einordnen.Handlung ¿¿,5Es passiert nicht viel, es geht primär über die Beziehungsdynamiken. Aber für mich gibt es trotzdem noch offene Fragen in der Handlung:1. Wyn und Harriet kommen zusammen. Harriet möchte das zunächst nicht, weil Sabrina auf ihn steht. Sabrinas Reaktion fällt dann aber überhaupt nicht überrascht oder vielleicht sogar vorwurfsvoll (gegenüber Harriet) aus. Wie ich Sabrina kennengelernt habe, ist das irgendwie unpassend. Ich würde denken, dass sie mindestens ihre Meinung offen sagt. Aber es wird nur genannt, dass Wyn nicht auf Sabrina steht. Aber wie sind Sabrinas Gefühle gegenüber ihm und Harriet? War sie sauer, aber hat es akzeptiert? Die beiden ziehen zusammen. Leider habe ich wenig von den guten Zeiten mitbekommen. Es ging schnell in die Krise. 2. Zu der Trennung: Ich fand es so toll, dass Harriet Wyn gleich von Martins Übergriff erzählen wollte. Sie ist ehrlich. Und Wyn reagiert darauf emotional. Ich finde das auch verständlich, dass er da seinen Raum braucht. Aber dann ruft man doch am nächsten Tag an und klärt es miteinander. Wenn da die Essenz des Gespräches ist, dass man sich trennt, ist das in Ordnung. Aber die beiden sind sehr lange zusammen (8 bis 10 Jahre) und er schickt ihr einfach nur ihre Sachen? Naja.Später sagt sie das auch genau so, das fand ich schön. Ich verstehe aber auch, dass der Tod seines Vaters für ihn eine wirklich emotionale Zeit ist. Schade fand ich, dass für mich nicht ersichtlich war, woran sein Vater gestorben ist (Vielleicht habe ich auch drübergelesen). Eigentlich ist das auch nicht relevant, da die Trauerverarbeitung von Wyn hier im Vordergrund steht, aber für ein bisschen mehr Kontext wäre das vielleicht nicht schlecht gewesen. Das Wiederannähern von den beiden war für mich teilweise mit nicht nachvollziehbaren Anflügen von Intimität verbunden. Aber am Ende im Gesamten doch süß. Toll finde ich , dass Wyn das tut, was ihm gut tut. Zu seiner Familie zurück zu gehen. 3. Nun zu Tattoo-Szene oder eher Fast-Tattoo Szene: Sabrina setzt sie unter Druck. Was ich dabei sehr unsympathisch fand: Sie bucht das Tattoostudio. Unter Emotionen oder aus der Situation heraus, kann ein unnötiger Kommentar auf jeden Fall mal passieren. Aber sie plant es. Genauso wie ihr "Versöhnungsplan" von Harriet & Wyn. Das finde ich schon sehr unreflektiert. Cleo und Harriet sagen ihr da aber ehrlich ihre Meinung. Auch wenn Harriet später meint, dass Cleo nur kein Tattoo aufgrund der Schwangerschaft wollte.4. Das Ende war dann doch sehr klischeehaft. Die Flughafenszene, nachdem sie einfach gefahren ist (?!), war mir dann doch fast ein bisschen zu viel. Es freut mich für sie so sehr, dass sie ihren Weg geht und für sich merkt, dass ihr Studium nicht das Richtige ist. Entgegen einiger Rezensionen, die sich fragen, wie sie ihren Kredit abbezahle, fand ich es passend und schön. Auch wenn ich gerne mehr darüber erfahren hätte, wie sie das ihren Kollegen mitteilte, und mit was sie jetzt genau ihr Geld verdient. 5. Geliebt habe ich aber das Annähern zwischen Harriet und ihrer Schwester. Das war wirklich berührend für mich.6. Was ist mit dem Haus passiert? Ist es wirklich verkauft worden? Ich hatte gehofft, dass sie es zusammen kaufen.7. Im Buch werden auch viel Alkohol & Drogen konsumiert. Zum Glück passiert das größtenteils nicht zur Verdrängung, sondern einfach zum Spaß. Und das macht es für mich mehr okay. 8. Es werden einige Erkrankungen (sowohl psychisch, als auch körperlich) Teil der Geschichte. Ich finde die Sichtbarkeit wichtig. Auch wenn sie hier wenig Raum bekamen, wurden sie ganz gut eingebunden.Schreibstil-Gefühl ¿¿¿,5Es ist sehr verschnörkelt geschrieben. Viele Metaphern, bei denen einige auch ganz schöne Zitate bilden. Außerdem gibt es einige wissenschaftliche Anspielungen. Ich finde es immer total schön, wenn ich Dinge aus meinem Studium in Büchern finde. Hab ich geliebt.Ein bisschen verwirrend waren für mich die Zeitsprünge. Am Anfang wusste ich manchmal nicht, in welcher Zeit ich mich befand und was der aktuelle Stand ist. Dadurch wurde es in der Mitte ein bisschen langwierig. Unterhaltung ¿¿¿,5Ich wollte unbedingt wissen, warum sie sich getrennt haben und das hielt mich auch am Lesen. Die Message am Ende war dann auch ganz schön. Definitiv kein Must-Read und kein Wohlfühlroman, aber wenn man gerne Beziehungen analysiert und weniger "Vibes" braucht, vielleicht ganz schön.