Meine Eindrücke & GefühleAktuell habe ich ein großes Faible für mythologische Retellings, und Hades & Persephone gehören sowieso zu meinen Lieblingsfiguren der griechischen Mythologie. "A Game of Retribution" ist für mich bereits Teil 4 der Reihe, da ich Persephone 2 direkt vorher gelesen habe. Und Überraschung: Dieses Buch ist keine Wiederholungsschleife von "A Touch of Ruin", sondern tatsächlich ein Blick hinter die Kulissen.Wir erfahren endlich, womit Hades sich beschäftigt hat, während Persephone um Alexis trauerte und sich mit Apollo und Sybille herumschlug. Diese Handlungsstränge sind hier angenehm kurz gehalten. Viel mehr Raum bekommen Hera, die Triade, Hermes und ¿ mein heimlicher Star ¿ Hekate. Endlich wird spürbar, wie alt, mächtig und gleichzeitig mütterlich-dry sie sein kann. Eine Figur, die gleichzeitig über allen steht und trotzdem Hades wie ein überforderter Sohn wirkt lässt.Hades selbst bleibt für mich ein Highlight: verletzlich unter der Oberfläche, hart nach außen, und in emotionalen Dingen oft herzzerreißend hilflos. Dieses Buch hat mich mehrfach rühren können, weil man sieht, wie ernst es ihm diesmal mit einer Beziehung ist ¿ und wie wenig Werkzeug er dafür eigentlich hat.Im letzten Band war bereits klar, dass Hades und Persephone massive Kommunikationsprobleme haben. Hier wird das erst richtig greifbar. Ich verstehe nun viel besser, was Hades schon begriffen hat, was ihm entgeht und warum bestimmte Gespräche schlicht noch nicht funktionieren können. Es ist, als würde man die Puzzleteile, die man im Persephone-Buch nicht gesehen hat, jetzt rückwirkend finden.Stärken¿ Ein Hades, der endlich Raum bekommt: Seine Perspektive erweitert die Geschichte spürbar. In Persephones Büchern wirkte er oft kalt oder abweisend ¿ hier erfährt man, was er parallel schultern musste und was er wirklich dachte. Das macht ihn nachvollziehbar und überraschend zart.Nebenbei wirkt Persephone in seinem Blick sehr jung, teilweise trotzig, was das Ungleichgewicht der Beziehung noch sichtbarer macht. Hades' Geduld und Lernkurve haben mich wirklich beeindruckt.¿ Göttlicher Plot und Intrigen, die Spaß machen: Neue Götter, alte Konflikte, Hydra, Erinnyen, Grainen, Herakles ¿ die mythologische Kulisse wächst, ohne chaotisch zu werden.¿ Moralische Grauzonen: Hades ist kein Alpha-Bro-Marmorbart, sondern jemand, der zwischen Verantwortung, Macht, Moral und Liebe ständig abwägen muss.¿ Mehr Weltbau, mehr Action: Die Hades-Bücher liefern genau das, was die Persephone-Bände nicht tun:Unterwelt, Politik, Regeln, Intrigen, göttliche Verpflichtungen, Konsequenzen.Die Balance aus emotionalen Themen (Persephone-Teile) und Action/Weltbau (Hades-Teile) funktioniert für mich großartig.¿ Spice als Sprache: Scarlett St. Clair kann Erotik. Und sie weiß es. Und sie macht es oft. Sehr oft.Aber hier funktioniert es, weil Sex zwischen den beiden Kommunikation ist. Eine eigene Sprache. Sie verehren einander, streiten oder verhandeln. Ein interessanter Aspekt, den ich so noch nicht gelesen habe.¿ Beziehungsmomente, die hängen bleiben:Es gibt mehrere tiefe ¿ wirklich tiefe ¿ Szenen.Zwei Beispiele:"Wir gleichen Schmerz nicht mit Schmerz aus, Persephone. Das ist das Spiel der Götter ¿ wir sind Liebende."Oder:"Hades, ich kenne dich überhaupt nicht. Was sind deine Schwächen, was ist deine größte Furcht, was ist dein wertvollster Besitz?""Du bist meine Schwäche. Dich zu verlieren ist meine größte Furcht. Und deine Liebe ist mein wertvollster Besitz." Schwächen¿ Heras Aufgaben / "Hades-Tribunale": Ich gebe zu: Dieser ganze Subplot hat mich etwas genervt. Nicht schlimm, aber unnötig lang. Am Ende beendet Hades das ganze Konstrukt ohnehin selbst ¿ sehr konsequent, aber die Reise dorthin fühlte sich etwas nach Pflichtprogramm an.¿ Persephone bleibt blass: Weil wir sie nur durch Hades' Wahrnehmung sehen, wirkt sie oft unreifer und weniger komplex als in ihrer eigenen Reihe. Eine Figur, die er liebt ¿ aber keine vollständige Person.¿ Konflikte, die nicht voll ausgespielt werden: Ein paar Entwicklungen werden groß aufgezogen und dann schnell abgewickelt. (Hera, hust.)Hier wäre mehr Mut zum Drama schön gewesen.Fazit & Empfehlung"A Game of Retribution" ist eine gelungene Ergänzung der Reihe und macht Hades endlich zu dem komplexen, verletzlichen, moralischen Schwergewicht, das er sein soll. Kein neues Plot-Feuerwerk ¿ aber ein echter Mehrwert, wenn man die Dynamik der Beziehung und die Hintergründe der Götterwelt verstehen will.Für mich: 4 ¿¿Perfekt für alle, die:¿ männliche POVs zu bekannten Szenen mögen¿ mehr Weltbau & göttliche Politik wollen¿ Hades als Antihelden lieben¿ mythologisches Retelling schätzenWeniger ideal für alle, die:¿ Hades 1 nicht gelesen haben¿ eine komplett neue Handlung erwarten¿ Persephone im Fokus brauchen¿ mit Wiederholungen aus der Parallelreihe nicht klarkommen