Faszinierende Welt, aber nicht ganz überzeugende Figuren
Song of Silver hat mich recht schnell in seinen Bann gezogen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mit asiatisch inspirierten Settings generell oft etwas Schwierigkeiten habe, weil mir viele Begriffe, Namen und kulturelle Bezüge nicht so vertraut sind. Dadurch brauche ich meist etwas länger, um vollständig in die Geschichte einzutauchen. Trotzdem ist die Welt sehr lebendig und atmosphärisch gestaltet und hebt sich angenehm von vielen anderen Fantasybüchern ab.Lan als Protagonistin mochte ich sehr; ihre Entwicklung ist nachvollziehbar und ihre Entschlossenheit machen Spaß alles zu verfolgen. Der Schreibstil ist bildhaft und sorgt dafür, dass man nur so durch die Seiten fliegt.Ein kleiner Kritikpunkt war für mich allerdings der Magier Zen. Ich mochte ihn grundsätzlich, aber es hat mich zunehmend gestört, dass er trotz immer wieder schwerster Verletzungen und seiner inneren Dämonen gefühlt ständig den unerschütterlichen Helden spielt. Irgendwann wirkte das auf mich etwas überzogen und nahm den gefährlichen Situationen einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit. Ich hätte mir gewünscht, dass die körperlichen und seelischen Folgen seines Leidens mehr Raum bekommen und ihn auch einmal wirklich ausbremsen.Trotzdem überwiegen für mich die Stärken des Buches eindeutig. Die spannende Handlung, das faszinierende Worldbuilding und die gelungene Mischung aus Magie, Politik und Emotionen machen Lust auf die Fortsetzung. Wer epische Fantasy mit asiatisch inspirierter Mythologie liebt, sollte diesem Buch definitiv eine Chance geben.