Wir befinden uns hier in einer zwei geteilten Welt, die im Norden ein typisches Ambiente von Bergen, Wäldern und Ebenen aufweist und die drei Völker der Menschen, Dokebi und Lekon beheimatet, während im Süden ein riesiger, heißer Dschungel von den Nagas beherrscht wird. Dazwischen befindet sich ein Wüstengürtel, der von beiden Seiten so gut wie nie überschritten wird.Die Nagas haben keinen guten Stand bei den anderen Völkern, weil ihre Kriege vor langer Zeit nur dadurch ein Ende gefunden haben, da sie nicht in die kühleren Gefilde des Nordens vordringen konnten. Ihre wechselwarme Konstitution erlaubt es ihnen nicht.Auch sonst sind sie ein außergewöhnliches Volk: sie sehen unglaublich gut, vor allem Temperaturunterschiede, dafür ist ihr Gehör eher unterentwickelt. Ihre spezielle Besonderheit ist aber, dass sie als Initiationsritus zum Erwachsenen ihr Herz entfernen lassen, was sie nahezu unsterblich macht. Witzigerweise erfährt man recht wenig über ihr Aussehen (oder ich habs nicht aktiv mitbekommen) jedenfalls weiß ich nur, dass sie Schuppen haben, und Fingernägel.Sie leben in einem Matriarchat, das die Männer hauptsächlich zur Fortpflanzung nutzt, außer sie treten in ein Novizentum ein.Ich fand es extrem spannend mehr über dieses Volk zu erfahren, ihre Eigenheiten, ihre speziellen Eigenschaften und Umgangsformen - man erfährt auch schon einiges über kleine Intrigen zwischen den Familien und große Verschwörungen, die aber erst nach und nach ans Licht kommen und mit dem Auftrag der drei Reisenden zusammenhängt.Über die Menschen erfährt man noch recht wenig.Die Dokebi können mit Feuer sehr gut umgehen, sind ein humorvolles Volk, das nicht auf Konkurrenz aus ist und sich mit Späßen bei Laune hält. Ansonsten sind sie sehr direkt und neugierig. Nach dem Tod kann ihre Seele in einen anderen Körper wandern.Die Lekon sind auch sehr speziell, allein ihre Größe mit bis zu 3 Metern ist eindrucksvoll, ebenfalls ihr Hahnenkopf und ihr Federkleid. Sie sind eher einfach gestrickt und einem guten Kampf nicht abgeneigt - haben allerdings Todesangst vor Wasser.Ein geheimer Auftrag führt den Menschen Kaygon Draka, den Dokebi Bihyung und den Lekon Tinahan in der "Letzten Taverne" zusammen. Wie der Name schon vermuten lässt, der letzte Halt vor der südlichen Wüste, die nach Kiboren führt, den von den Nagas beherrschten Dschungel.(Die Namen der Völker und Charaktere wirken anfangs befremdlich, aber man gewöhnt sich recht schnell daran.)Kaygon Draka ist ein eher ruhiger Zeitgenosse, der ein Geheimnis mit sich herumträgt. Geduld und Beharrlichkeit sind seine hervorstechenden Eigenschaften, die sich bei ihm in beiden Richtungen zeigen. Sein einsames Dasein ist von einer sehr bizarren Lebensweise geprägt - im Umgang mit seinen Reisegefährten jedoch zeigt sich, wie sehr gerade seine Geduld und Ausdauer auch in gutem Sinne wirken können. Ich bin gespannt, was sich hinter seiner Person verbirgt, denn dieses Rätsel bleibt noch geheim.Bihyung ist eher zufällig in dieses Abenteuer hineingeraten und seine saloppe Art war erfrischend. Trotz seiner Liebe zu Scherzen und Schabernack hat er eine mitfühlende Seele. Apropos Seele - wenn er stirbt bleibt diese ja erhalten und kehrt als "Ahn" in seine Heimat zurück und lebt in einem anderen Körper weiter. Dementsprechend hat er keine Angst vor dem Tod.Tinahan, der Verteidiger der Gruppe bleibt etwas blass. Allerdings fühlt er sich der Gruppe sehr verbunden, auch wenn ihr nur eine reiche Belohnung zu diesem Auftrag gelockt hat, ist er über die Zeit mit dem Schicksal seiner Gefährten zusammen gewachsen. Etwas schlicht, etwas naiv, aber ich mochte ihn.Trotz der zielführenden Reise, wie sie so oft in dem Genre vorkommt, bleibt die Handlung nicht geradlinig. Viele Zwischenfälle und Ereignisse führen die Gefährten auf Umwege - und hier darf man nicht ungeduldig sein, denn der Autor erzählt auch diese mit viel Liebe zum Detail. Inwieweit diese alle wirklich von Bedeutung sind kann ich noch nicht einschätzen. Aber es gibt darin schon Situationen, die für das weitere Vorgehen wichtig sind bzw. auch die Hintergründe der Welt und der Völker beleuchten. Dadurch bekommt man einen immer tieferen Einblick, in dem alles gut durchdacht erscheint.Ein paar Punkte waren für mich dennoch nicht so logisch - zum Beispiel die Kälte im Norden, die die Nagas anscheinend doch irgendwie überleben können. Zum anderen wie ein 3 Meter großer Lekon so einfach in ein Gästezimmer passt ^^Ansonsten greift aber sehr gut alles ineinander und auch auch wenn vieles etwas emotionslos wirkt - gerade manche Kampfszenen, die durchaus blutig oder grotesk sind, hat mich die Erzählweise doch sehr gefesselt. Ein großes Auf und Ab an Spannung sollte man aber nicht erwarten... ein paar Momente gab es für mich, wo ich ein höheres Tempo bevorzugt hätte, aber insgesamt hat es mich großartig unterhalten. Auch durch die vielen originellen Ideen, die ich so noch nicht kannte.Die ganze Welt fühlt sich durchdrungen an von Magie. Es gibt ja gewisse Fähigkeiten, die die einzelnen Spezies besitzen, aber auch sonst wirkt manches unwirklich oder bizarr. Der Autor hat ganz besondere Einfälle, die sich nicht in Zaubersprüchen, Runen, Elementen oder ähnlichem offenbaren, sondern wirklich sehr speziell und eigenartig: dadurch für mich erfrischend neu und ungewöhnlich.Der Schreibstil wirkt ungewöhnlich und manchmal etwas umständlich. Das Gefühl hab ich aber öfter bei Übersetzungen aus Asien - ich könnte mir vorstellen, dass hier der Text nicht so einfach ins deutsche übertragbar ist. Wenn man sich daran gewöhnt hat lässt es sich aber flüssig zu lesen. Der Autor beschreibt sehr bildlich, hauptsächlich die Schauplätze, die Atmosphäre und die Ereignisse werden lebendig beschrieben und haben mich immer direkt am Geschehen teilhaben lassen. Die Figuren waren für mich vor allem durch ihre Gefühle und Gedanken greifbar - vom Aussehen her hab ich nur den Lekon mit dem Hahnenkopf vor Augen gehabt :DIch bin sehr gespannt, wie es weitergeht ->Wie entwickeln sich die Intrigen in den Familien der Nagas und was verbirgt der Herzturm?Wer steckt tatsächlich hinter Kaygon und welche dunklen Geheimnisse verbergen sich in seiner Vergangenheit?Und natürlich: Was hat es mit der Prophezeiung auf sich, für deren Erfüllung die Mönche der Menschen so viel investiert haben?