Ein ehrlicher und direkter aber auch ein tiefgründiger und berührender Roman.
Ich kenne die Jugenbücher von Anne Freytag, die ich sehr liebe und auch ein zwei Thriller von ihr, und bisher hat sie mich noch nie enttäuscht, deshalb wollte ich ihre Romane nun auch mal lesen. Anne war schon immer eine sehr ehrliche und direkte Autorin, die nichts verschönigt und alles auf den Punkt bringt, was ich so an ihr schätze und liebe. Auch hier hat sie einen wunderbaren Roman erschaffen, der realistischer und ehrlicher nicht sein könnte. Helen ist Mitte 40, verheiratet, wunderschön, beruflich sehr erfolgreich und hat zwei Kinder. Doch dann verlässt sie ihr Mann plötzlich wegen einer anderen Frau und ihre Welt gerät ins Wanken. Was besonders bitter ist, auch sie wollte ihn schonmal verlassen, doch sie wollte ihre Familie nicht im Stich lassen. Jetzt lässt sie ihre Entscheidungen nochmal Revue passieren. Denn was wäre gewesen, wenn sie sich anders entschieden hätte. Das Buch ist aus zwei Sichtweisen geschrieben einmal Helen selbst, hier lernen wir ihre Vergangenheit kennen und die Gegenwart und einmal aus der Sicht ihrer Tochter Anna, die Helene hasst und lieber bei ihrem Vater lebt. Helene wollte schon immer die Erwartungen erfüllen, die von ihr verlangt wurden. Sei es in ihrer Kindheit, bei ihrer Mutter, die sie trotz 1000 Versuchen bis zu ihrem Tod nicht würdigt. Die sie egal, was sie macht, klein hält. Oder sei es als Ehefrau und Mutter, dass sie versucht eigenes Geld zu verdienen und doch alles macht, dass ihre Kinder glücklich sind, wobei sich ihre Tochter immer wieder von ihr entfernt und ihr Mann sie verlässt. Aber auch ihre Tochter Anna macht Ähnliches durch. Sie ist eigentlich noch nicht bereit für ihr erstes Mal, macht es dann aber doch, nur damit sie nicht verlassen wird, wird dann aber Nunmal doch verlassen. Die Frage hinter der Geschichte ist einfach, wann hört man damit auf? Wann fängt man an für sich selbst einzustehen und wann macht man Dinge nur für sich selbst und seinen Wünschen?Die Entwicklung die beide durchmachen ist absolut realistisch und authentisch. Es gibt viel Schmerz und doch wieder viel Liebe. Ich fand die unterschiedlichen Sichtweisen sehr gut, so konnte man sich noch mehr in die Charakter hinein versetzen. Ich fand den Roman sehr berührend und tiefgründig und zeigt auch die Schattenseiten von Beziehungen jeglicher Art auf. Wieviel Lügen erzählst du dir selbst?