Ein spannendes Abenteuer in einem atmosphärischen Setting auf hoher See, leider etwas schwach in Charakterisierung und Pacing
¿3,5 | Fable zeigt seine Stärke in erster Linie in der Atmosphäre, die es schafft - es wird gerade zu Beginn viel Zeit damit verbracht, das Meer und die Umgebung zu beschreiben, sodass man gut in das Setting eingeführt wird und in die Geschichte eintauchen kann. Auch wenn der Weltenbau für mich an einigen Stellen noch Lücken hat und ich gerne ein paar mehr Informationen erhalten hätte, kann man den Geschehnissen innerhalb der Welt trotzdem gut folgen. Zwar hatte ich durch die Empfehlungen, die ich zu dem Buch erhalten hatte, mehr mit einer Piratengeschichte gerechnet und diese Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt, aber das Seefahrer- und Handelsschiff-Setting hat mir trotzdem gut gefallen.Etwas verwirrend war allerdings das Pacing, sowohl von der Story als auch der Charaktere(ntwicklungen). In der ersten Hälfte ist das Buch eher langsam - es wird, wie bereits erwähnt, viel das Meer und das Tauchen beschrieben und eher ein Fokus auf atmosphärisches Erzählen gelegt. Als es dann aber richtig mit dem Plot losgeht, kommt alles ziemlich Schlag auf Schlag, und die einzelnen Szenen sind recht kurz und wirken fast schon gerade so auf das Mindeste, um die Handlung voranzutreiben, begrenzt. So hat mich das zügige Tempo zwar am Lesen gehalten, aber gleichzeitig habe ich mich auch ein wenig durch die Story gedrängt gefühlt, als ob möglichst schnell alles auf den verbleibenden Seiten abgehandelt wurde. Insgesamt hat mir daher in der zweiten Hälfte des Buches die schöne Atmosphäre und das Drumherum etwas gefehlt und ich hätte mir mehr Zeit mit den einzelnen Orten und Charakteren gewünscht.Etwas zu kurz kamen mir auch die Nebencharaktere. Sie bekommen zwar alle jeweils eine Hintergrundgeschichte, sodass man sie einordnen kann, aber darüber hinaus konnten sie mich nicht wirklich berühren und blieben mir auch nicht lange im Gedächtnis - einschließlich West, obwohl er als Kapitän das "Zentrum" der Crew bildet, und der Love Interest der Protagonistin ist.Womit wir bei dem Punkt wären, der mir an diesem Buch leider gar nicht gefallen hat: die Romance. Fable und West haben eigentlich eine interessante Dynamik, die vor allem durch die Natur ihrer Begegnung und die Geheimnisse und Offenbarungen, die im Verlauf der Geschichte aufkommen, entsteht, und in der ich absolut Potential für eine schöne Liebesgeschichte gesehen habe. Ich hatte daher damit gerechnet, dass diese sich über beide Bände hinweg entwickelt (vor allem in Anbetracht des Tempos, in dem es in diesem Band voranging) - aber dann kam alles viel zu schnell und plötzlich ohne richtige Grundlage, sodass ich die romantischen Szenen wirklich gar nicht nachvollziehen konnte, und mich das Buch in dem Aspekt nicht mehr überzeugen konnte.Spannend fand ich dann aber wieder die Vater-Tochter-Dynamik zwischen Fable und Saint, und welche Rolle ihre Vergangenheit für ihre Handlungen und Prinzipien heute spielt. Auch hier hätte ich mir noch ein bisschen mehr gewünscht, einfach weil es so ein interessanter Plotpoint war und die Begegnung zwischen den beiden dann doch recht kurz war.Abschließend hatte ich auf jeden Fall Spaß mit dem Buch und habe vor allem die Atmosphäre und das Seefahrer-Setting mit seinen Elementen genossen. An vielen Stellen hätte ich mir einfach noch ein bisschen mehr gewünscht, und war leider gar nicht begeistert von der Liebesgeschichte. Den zweiten Band würde ich bei Gelegenheit trotzdem noch lesen, da ich neugierig bin, wie die Geschichten der Mitglieder der Marigold ausgehen, vor allem nach dem Ende des ersten Bandes.Vielen Dank an arsEdition und NetGalley für das Rezensionsexemplar.