Ein solider historischer Roman mit interessanten Protagonisten, der mich aber emotional nicht vollends abholen konnte.
Das Buch "Lindt & Sprüngli - Zwei Familien, eine Leidenschaft" ist der Auftakt einer Buchreihe, die im 19. Jahrhundert spielt und die Gründungen der Schokoladen-Manufakturen "Lindt" und "Sprüngli" zeigt.Als großer Fan von historischen Familiensagas waren meine Erwartungen an den Auftakt der neuen Reihe von Lisa Graf vermutlich sehr hoch gesteckt. Nach dem Lesen bleibe ich jedoch mit gemischten Gefühlen zurück: Die Geschichte ist keineswegs schlecht, aber für mich war sie leider auch kein absolutes Highlight.Was Lisa Graf ohne Zweifel beherrscht, ist das Zeichnen von vielfältigen und feinen Charakteren. Die Figuren sind interessant und tiefgründig gestaltet, was dazu führte, dass ich trotz einiger Kritikpunkte immer wissen wollte, wie es mit ihnen weitergeht. Auch der Zeitgeist der damaligen Epoche wurde wunderbar eingefangen; man merkt der Autorin die fundierte Recherche an, die den historischen Hintergrund lebendig werden lässt.Mein Hauptproblem war jedoch die Gewichtung der Themen. Ich hatte mich auf einen Roman gefreut, in dem das Handwerk der Schokoladenherstellung und die Leidenschaft für das Produkt im absoluten Mittelpunkt stehen. Zwar gibt es Passagen, in denen die Thematik erklärt wird, doch für meinen Geschmack blieb dieser Aspekt viel zu sehr im Hintergrund. Stattdessen nehmen die ständigen, teils ermüdenden Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn Sprüngli sehr viel Raum ein.Zudem verliert sich die Erzählung in meinen Augen in zu vielen Nebenfiguren und Handlungssträngen, die die eigentliche Geschichte nicht wirklich vorantreiben. Das sorgte für einige Längen, die den Lesefluss etwas gebremst haben. Mein größter Kritikpunkt ist jedoch der Titel im Verhältnis zum Inhalt: Die Firma Lindt spielt in diesem ersten Band praktisch noch keine Rolle. Das war für mich enttäuschend, da ich eine parallele Entwicklung beider Schokoladen-Dynastien erwartet hatte.Fazit: Das Buch "Lindt und Sprüngli - Zwei Familien, eine Leidenschaft" von Lisa Graf ist ein solider historischer Roman mit interessanten Protagonisten, der mich aber emotional nicht vollends abholen konnte. Wer eine Familiensaga mit Fokus auf Generationenkonflikten sucht, wird hier fündig - wer jedoch wie ich auf die volle Ladung "Schokoladen-Geschichte" gehofft hat, muss wohl auf den zweiten Band setzen.