Man kann auch in die Höhe fallenist der sechste Band der Alle Toten fliegen Hoch-Reihe von Joachim Meyerhoff und, wie man munkelt, vermutlich auch der letzte. Als treuer Fan der Buchreihe schmerzt der drohende Abschied sehr, denn zumindest ich könnte Meyerhoffs fiktives Alter Ego bis in alle Ewigkeiten begleiten. Doch tatsächlich wäreMan kann auch in die Höhe fallender ideale Schlusspunkt für die Reihe.Und soll man nicht aufhören, wenn es am schönsten ist?Inhaltlich knüpft der Roman beinahe nahtlos an die Ereignisse des fünften Bandes an. Meyerhoffs Protagonist hat sich von seinem Schlaganfall erholt, zumindest körperlich. Sein Nervenkostüm hat an der Erfahrung jedoch sichtlich gelitten und so flieht er nach einem unschönen Zwischenfall auf dem Geburtstag seines kleinen Sohnes zu seiner Mutter aufs Land. Hier will er einen Roman mit dem Titel "Scham und Bühne" über seine Zeit am Theater schreiben und gleichzeitig zur Ruhe kommen. Die Mutter bewohnt ein großes Haus mit noch größerem Garten in Norddeutschland. Die körperliche Arbeit im Garten bringt neben täglichen schriftstellerischen Fingerübungen ein lang vermisstes Gleichgewicht in sein Leben zurück.Man kann auch in die Höhe fallenistein Mutter-Buchund hat tatsächlich so in Meyerhoffs Reihe noch gefehlt. Es ist zudem ein Buch, das sehr dem Motto "back to the roots"folgt. Wer insbesondere eines der ersten drei Bücher geliebt hat (oder vielleicht sogar alle drei), findet hier die Erzählweise wieder, die Meyerhoffs Schreiben immer so ausgemacht hat, die gerade aber in den letzten Romanen mit dem Erwachsenwerden des Protagonisten an ihre Grenzen kam. Meyerhoff lässt sich hier auf knapp 350 Seiten treiben undreiht Anekdoten aus vergangenen Tagen an Beobachtungen in der Gegenwart. Der Blick auf seine Mutter ist dabei leicht überzeichnet, bewegt sich an der Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion und ist von bedingungsloser Liebe und Bewunderung für diese Frau und ihr Leben durchdrungen. Meyerhoffs Mutter ist eine Heldin, unverwüstlich, in den kleinen Dingen charmant fehlerhaft, in den großen beinahe perfekt. Ein Ideal, das nur fiktiv sein kann, das aber in erster Linie eineHommagesein will - und darf.Aber ich bin halt nicht wirklich interessant. Ich bin sechsundachtzig. Ich lebe auf dem Land, und mir geht es prächtig. Was willst du da groß schreiben?(S. 62)Der Sound der Geschichte(n) ist typisch Meyerhoff:Leichtfüßig, humorvoll, manchmal überdreht, manchmal melancholisch.Es ist ein Roman zum Lachen und zum Weinen - auch wenn diese Bewertung abgedroschen wirken mag. Doch es menschelt inMan kann auch in die Höhe fallenauf jeder Seite, man verbringt gerne Zeit mit den Figuren und bildet sich letztlich ein, die Familie Meyerhoff besonders gut zu kennen. Dabei macht der Autor durch seine erzählerischen Übertreibungen stets deutlich, dass hiereine Fiktionerzählt wird - diese ist zwar biografisch geprägt, einen Anspruch auf die Wirklichkeit erhebt jedoch keines der Kapitel.Für mich befindet sich Joachim Meyerhoff in diesem vermutlich letzten Buch in Bestform, vor allem nach dem schwächelnden fünften Band, der meiner Meinung nach das Reihenkonzept nicht gelungen umgesetzt hat. Ganz persönlich gefällt mir der vorliegende Roman aber auch so gut, da mein eigentlicher Favorit stetsWann wird es endlich wieder so, wie es nie war- Meyerhoffs Vater-Buch - war. Nun habe ich die zweite Seite der Medaille kennenlernen dürfen und ein besonders rundes Leseerlebnis erfahren. Wenn dies nun wirklich das Ende ist, so gehen Meyerhoff und ich im Guten auseinander.