¿¿¿¿Hexen, Wikinger, Götter ¿ und zwei Frauen, deren Schicksale untrennbar verbunden sind. Ruhige Fantasy mit großer Wirkung. ¿¿¿
Meine GedankenSisters in Blood ist ruhig, unaufgeregt und genau darin stark. Spannend, ohne anstrengend zu sein. Ein Buch, das man nicht "verschlingt", sondern genießt - und das meine ich ausdrücklich positiv.Der Fokus liegt klar auf der Entwicklung von Figuren und Beziehungen, ohne dass der Plot dabei ins Hintertreffen gerät. Alles wirkt durchdacht, gut recherchiert und organisch erzählt.Hexen, nordische Mythologie und ein historisches Setting sind ohnehin mein absolutes Beuteschema - hier kommt alles zusammen. Die Geschichte verwebt Sagenstoff, historische Figuren und weibliche Perspektiven so stimmig, dass man sich sofort in diese raue, heidnische Welt des frühen 10. Jahrhunderts hineinziehen lässt.Besonders gefallen hat mir, dass diese bekannte Saga aus weiblicher Sicht neu erzählt wird. Keine Heldinnen im klassischen Sinn, sondern Frauen mit Fehlern, Temperament, Schwächen und Ambivalenzen - genau das macht sie so glaubwürdig. Stärken¿¿ Oddny war für mich klar die stärkere und sympathischere Figur - nicht durch Lautstärke oder Kampfgeist, sondern durch Loyalität, Ausdauer und ihre Fähigkeit, aus schwierigen Situationen das Beste zu machen. Sie gibt nicht auf, sucht ihre Schwester unbeirrt weiter und wächst leise, aber stetig.¿¿ Gunnhild hingegen ist deutlich schwieriger - temperamentvoll, strategisch, oft unsympathisch. Aber: Sie ist absolut plausibel. Eine Frau ihrer Zeit, die mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln um Macht, Sicherheit und Einfluss kämpft. Nicht jede muss liebenswert sein, um gut geschrieben zu sein. Da sie an eine historische Figur angelehnt ist fand ich sie treffend gezeichnet.¿¿ Großartig sind auch die Nebenfiguren: Arinbjörg, Runhild und viele andere sind liebevoll ausgearbeitet und bleiben im Gedächtnis. Niemand wirkt wie bloßes Beiwerk.¿¿ Ein echtes Highlight war für mich Haldor - dieser Plottwist war überraschend, glaubwürdig und sauber vorbereitet. So etwas liest man selten.¿¿ Auch sprachlich überzeugt der Roman sehr: flüssig, atmosphärisch und wunderbar zugänglich, ohne den historischen Ton zu verlieren. Die Erklärung der historischen und mythologischen Quellen im Anhang rundet das Ganze hervorragend ab.¿¿ Und ja: Die leisen romantischen Momente zwischen einzelnen Figuren sind wunderschön dosiert - nie kitschig, nie zu viel, sondern einfach menschlich.Schwächen¿¿ Ich bin gelegentlich mit den vielen Namen durcheinandergekommen - das liegt vermutlich eher an mir als am Buch, aber es passierte.¿¿ An einigen Stellen gibt es kleinere Längen, vor allem im Mittelteil, und das Ende wirkt ein wenig hastig. Die finale Schlacht rauscht recht schnell vorbei - was mich persönlich allerdings kaum gestört hat, da ausführliche Kampfsequenzen ohnehin nicht mein Lieblingsgenre sind.¿¿ Wer ein actionlastiges Fantasy-Epos oder permanente Spannung erwartet, könnte das Tempo als zu ruhig empfinden.Fazit & Empfehlung¿¿ Ich sage es ganz ehrlich: Ich liebe diesen Roman.Sisters in Blood - Der Schwur ist ein stimmungsvoller, kluger und emotionaler Mythos-Roman, der nordische Sagen modern und respektvoll neu interpretiert - mit starken Frauenfiguren im Zentrum.Empfohlen für alle, die¿¿ nordische Mythen & Wikingerzeit lieben¿¿ starke, komplexe Frauenfiguren schätzen¿¿ ruhige, atmosphärische Fantasy bevorzugen¿¿ Charakterentwicklung wichtiger finden als DaueractionEin Buch, das nachhallt, statt zu überrumpeln - und genau deshalb so gut funktioniert. ¿¿