Nicht nur schön gespenstisch, sondern wegen seiner darin vorkommenden Figuren in mehrfacher Hinsicht auch eine emotionale Reise.
In "Es spukt in Craven Manor" lockt uns Darcy Coates mit dem vierten, ins Deutsche übersetzte, Buch auf ein absolut zugewuchertes und verwahrlostes parkähnliches Gelände. Die sich darauf befindliche alte Villa scheint trotz all ihrer kaputten Fensterscheiben und offen stehenden Haustür nicht verlassen zu sein. Haunted House Horror vom Feinsten.Intro:Mit dem Namen Darcy Coates verbinde ich mittlerweile eine intensive Leseliebe in Sachen unblutigem softem Horror. Nachdem ich nun vier ihrer Bücher gelesen haben, würde ich jetzt sogar meinen, dass alles aus ihrer Feder einfach gut sein muss. Sie hat diesen besonderen Wiedererkennungswert, der sie höchstwahrscheinlich zu einem Garant für LeserInnen macht, die guten, aber nicht ganz so dunklen, bösartigen, schockigen und blutigen Haunted House Horror mögen. Ich jedenfalls bin wieder mächtig auf meine Kosten gekommen und habe mich richtig schön schaurig unterhalten gefühlt.Zur Handlung:Daniel ist nach seiner Obdachlosigkeit in der schäbigen Bruchbude seines Cousins Kyle untergekommen, wofür er ihm dankbar ist. Um seinen Anteil an der Miete zahlen zu können, sucht Daniel dringend einen Job, als ihn plötzlich ein handgeschriebener unfrankierter Brief ohne Adresse oder Absender mit einem Stellenangebot als Gärtner erreicht. Dieses einmalige Angebot kann er sich definitiv nicht entgehen lassen! Er macht sich sofort auf den Weg, obwohl es bereits später Nachmittag ist und ihn die merkwürdige Wegbeschreibung mit jedem zurückgelegten Meter an der Echtheit und Glaubwürdigkeit zweifeln lässt. Doch die Hoffnung trägt ihn trotz zunehmender Dunkelheit weiter voran, denn die Angst, womöglich eine aussichtsreiche Stelle zu versäumen, ist übermächtiger. Als er sich endlich einen Weg durch all das Gestrüpp gebahnt hatte und das Anwesen erreicht, steht er vor einer verlassenen und heruntergekommenen Villa, in der schon lange niemand mehr zu wohnen scheint. Bevor ihn seine Enttäuschung aber gänzlich übermannen kann, betritt er das alte Gemäuer und findet dabei nicht nur einen erneuten an ihn gerichteten Brief mit weiteren Anweisungen, sondern auch sein erstes Gehalt.Wie konnte das sein? Woher kennt der Briefeschreiber Daniels Namen und seinen Wohnort? Was hat es mit dem Anwesen und seinen ehemaligen Bewohnern auf sich, und was sind das für seltsame alte Münzen, die er jetzt gerade in seinen Händen hält?Die Figuren:Sämtliche Charaktere, gute wie böse, wurden einwandfrei ausgearbeitet. Sie agierten absolut authentisch und ich hatte zu jedem die passenden Emotionen parat. Von Zuneigung, Sympathie, Liebe und Trauer, bis zu Hass, Angst, Wut und Genugtuung waren so ziemlich alle Gefühle dabei, die man empfinden kann. Daniel ist ein junger Mann, der bisher nicht viel Glück in seinem Leben vermelden konnte. Einsam und am Rande der Gesellschaft lebend, hat er dennoch nie seine Empathie und Freundlichkeit gegenüber seinen Mitmenschen verloren. Ich mochte ihn unheimlich gern und war in vielerlei Hinsicht mit seinen Entscheidungen konform. Besonders was den Umgang mit seinem Cousin betrifft, konnte ich ihn letztlich nur beglückwünschen. Denn, das muss man sagen, Kyle ist kein sehr sympathischer Zeitgenosse. Er ist ungepflegt, faul, dominant, in hohem Maße egoistisch, und glaubt, ihm gehöre die ganze Welt. Zu weiteren Figuren möchte ich an dieser Stelle nicht viel sagen, um interessierten LeserInnen nicht vorzugreifen. Nur so viel: Es ist letztlich nicht immer alles so, wie es anfänglich scheint...Der Schreibstil:Darcy Coates hat einen flüssigen und sehr schön leicht zu lesenden Schreibstil. Es ist mir bei ihren Büchern noch nie schwer gefallen, in die Handlung zu finden. Man beginnt zu lesen und ab geht die Reise, leichtfüßig und geführt von einem roten Faden, der leuchtend rot durch die Dunkelheit des Settings führt.Die Handlung ist nicht nur wieder spannend und fesselnd, sondern vom Gruselfaktor her auch typischerweise wieder sehr schön mystisch und schaurig, ohne blutig oder widerwärtig zu sein. Das mag ich sehr an den Büchern von Darcy Coates. Das Setting ist einmal mehr richtig bildhaft ausgestaltet worden. Ich konnte mir das Anwesen mit seinem finsteren Turm und dem weitläufigen zugewucherten Gelände, welches einst wunderschön gewesen sein muss, absolut lebhaft vorstellen.Fazit:Mit "Es spukt in Craven Manor¿ wurde ich von Darcy Coates erneut in ein für die Autorin so typisches und mich sehr begeisterndes Spukerlebnis gelockt, dass nicht nur schön gespenstisch war, sondern sich wegen seiner darin vorkommenden Figuren in mehrfacher Hinsicht auch als eine emotionale Reise herausgestellt hat. Ich mochte alles daran und möchte mehr, viel, viel mehr verfluchte Orte aus der Fantasie dieser Autorin betreten.