Eine tolle und thematisch wichtige Erzählung
Im Kern geht es um Alice und Peter, zwei Promovierende der analytischen Magie, die gemeinsam in die Hölle hinabsteigen, um ihren bei einem Unfall verstorbenen Doktorvater zurückzuholen. Was nach klassischer Mythologie klingt, wird hier zu einem düsteren Dark-Academia-Roman, der Motive aus Dante und Orpheus mit knallharter Systemkritik am Wissenschaftsbetrieb verbindet. Machtmissbrauch, toxischer Ehrgeiz, Konkurrenzdenken und akademische Grausamkeit... all das fühlt sich leider erschreckend real an, auch (oder gerade) aus studentischer Perspektive. Vieles konnte ich (leider) sehr gut nachvollziehen und habe selbst einiges aus Erzählungen mitbekommen. Hier hätte ich mir manchmal gewünscht, dass es fiktional wäre, aber die Realität sieht leider anders aus...Das Buch ist anspruchsvoll, sehr akademisch erzählt und voll von Fachsprache, logischen Problemen und theoretischen Konstrukten. Man muss nicht alles verstehen, um es zu lieben. Ich hatte fast mehr Spaß, als ich aufgehört habe, jedes Detail komplett durchdringen zu wollen und einfach akzeptiert habe, dass Autorin und Figuren mir intellektuell manchmal ein paar Schritte voraus sind.Besonders stark fand ich die emotionale Entwicklung der Figuren. Frei nach dem Motto "die Hölle sind die anderen" erkennen Alice und Peter auf ihrem Weg durch die acht Höfe der Hölle, wie sehr sie sich während der Promotion gegenseitig und sich selbst geschadet haben. Rivalität, internalisierte Misogynie, Gerüchte, Überarbeitung und der Hunger nach Anerkennung werden gnadenlos offengelegt. Gleichzeitig entsteht, ganz leise, Nähe zwischen ihnen, sobald der akademische Wettkampf wegfällt. Die subtile Romantik ist da, aber sie steht nie im Vordergrund.Alice ist keine angenehme Protagonistin, denn sie ist ehrgeizig, rücksichtslos, voller innerer Widersprüche. Gerade das macht sie so spannend. Der Humor ist trocken, intelligent und perfekt dosiert. Ich habe gelacht, geschluckt, war schockiert und mehrfach emotional ziemlich getroffen.Der Mittelteil war für mich der stärkste Abschnitt, das Ende wirkte etwas abrupt und hätte für meinen Geschmack noch einen letzten gedanklichen Schlag gebraucht.Man sollte wissen, dass Katabasis teilweise sehr explizit ist: physische und psychische Gewalt, chronische Krankheit, massive Grenzüberschreitungen und auch Tierquälerei kommen vor. Das ist nichts für zwischendurch. Trotz kleiner Kritikpunkte ist Katabasis unfassbar gut. Ein fordernder, langsamer, unglaublich dichter Roman, der Intellekt, Mythologie und Gefühl miteinander verwebt und lange nachhallt. Kein leichtes Buch, aber eines, dass sich lohnt, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen...