Krimischreibstil mit Gruselelementen
Tine Wittler - seid ihr damals, als das neue Millennium erst begonnen hatte, Fan ihrer Sendung gewesen? Dann könnte dieses Buch Euer Interesse wecken.Die Geschichte "Das Haus der langen Schatten" von Ambrose Ibsen handelt von FlipperKevin, einen hartarbeitenden handwerklich begabten Mitzwanziger, der Mithilfe seinen Handwerkskanals auf YouTube versucht, seine eigene Fernsehsendung zu ergattern. Hierbei hat er sich eine große Fangemeinde erarbeitet, doch sein nächstes großes Projekt soll über die üblichen Handwerkstipps hinausgehen und den überregionalen Fernsehsender überzeugen, dass er nicht nur mit DIY-Videos überzeugen kann, sondern seine Fans über einen Monat bei der Stange halten kann, weswegen er sich einer wagemutigen Aufgabe verschrieben hat:Ein Haus, das seit dreißig Jahren leer steht, innerhalb eines Monats wieder wohnlich zu sanieren. Obgleich eine sportliche, dennoch nicht unlösbare Aufgabe, hat er seine Rechnung nicht ohne die Vergangenheit des Hauses gemacht...Die Handlung spielt relativ in der Jetztzeit, zuletzt bewohnt wurde es jedoch, als "Einsatz in vier Wänden" gerade seinen Sendestart hinlegt, Anfang der 2000. Seitdem stand es leer und hätte leer bleiben sollen.Insgesamt ist das Buch in einfacher und dadurch flüssig geschriebener Sprache erzählt. Inhaltlich gleicht es mal wieder mehr einem Krimi, dem übernatürliche Elemente beigefügt wurden, heißt, atmosphärisch hat es nicht viel zu bieten, sondern es ist eher eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die durch das Buch führen. Seltsame Schattenformationen, teilweise nicht menschlich klingende Stimmen, eine alte Person hinter erleuchtenden Fenstern und nach ein paar Recherchen die Geschichte einer Familie, die zu überfürsorglich zu sein scheint, um ein Kind seine nötigen Freiheiten zu gewähren.Doch die Wirklichkeit ist nicht selten als die Nachbarschaft vermutet und so kommt es, dass die Stimmen FlipperKevin auf Dauer nicht nur im Renovierungshaus auflauern, sondern sich mit ihm bewegen.Das Ende bietet den üblichen "Cliffhanger" ohne den es scheinbar keine Gruselgeschichte mehr geben darf, gleich wie wenig Spannung dieser mich zu bieten hat. Kurz gefasst:Eine Fortsetzung wäre möglich, ob nötig steht auf einem anderen Blatt.Das Cover ist ansprechend gestaltet. Ein mysteriös wirkendes Haus in den Mittelpunkt durch Ranken gestellt.Zur Beschreibung im Buch passt es nicht wirklich, da das Haus eher in einer ehemals noblen Einfamiliensiedlung mit kinderreichen Eltern stand, ehemals gepflegte Rasen im Vordergrund des Gebäudes, welches eine Grundsanierung notwendig hat, aber als Eyecatcher definitiv nicht schlecht gemacht.Zusammenfassend:Das Buch ist für all diejenigen geeignet, die sich bei Geschichten, die vom nüchternen, analytischen Schreibstil her einem Krimi gleichen, angesprochen fühlen. Wer eine echte Geistergeschichte sucht, die vor atmosphärischer Stimmung die Nackenhaare aufstehen lässt, sollte nach einem anderen Werk Ausschau halten.