Eine kurzweilige Liebesgeschichte, die Feminismus und Selbstbestimmng in den Fokus stellt
Wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, wie es wäre, in der Zeit reisen zu können? So eine Idee in ein Buch zu packen, ist einfach naheliegend, aber es muss auch funktionieren und das ist hier der Fall. Man wird nicht einfach in eine neue Welt geworfen, sondern lernt erst einmal die Rahmenbedingungen in beiden Zeiten kennen, bevor die eigentliche Zeitreise schlüssig eingebaut wird. Und dann beginnt das Abenteuer.Die Geschichte um Audrey und Lucy lässt sich flüssig verfolgen, alles ist verständlich geschrieben. Besonders gut gefällt mir die sprachliche Umsetzung der einzelnen Perspektiven, die an die jeweilige Zeit angepasst wurden und dadurch das Auseinanderhalten der Perspektiven erleichtert. Gerade bei gleichgeschlechtlichen Protas verschwimmt das schnell mal, hier kommt man aber nie durcheinander.Beide Protagonistinnen sind nahbar und kreativ ausgearbeitet. Die Nähe zwischen den beiden wird schön aufgebaut. Es ist eher eine seichte, langsame Geschichte ohne viele Ausschmückungen, aber trotzdem kommt an keiner Stelle Langeweile auf. In den ruhigen Momenten erfreut man sich an Audreys und Lucys Verbundenheit, ihrem Verständnis füreinander und dem respektvollen Umgang miteinander. Man leidet mit Lucy, empfindet Wut über die Ungerechtigkeit ihrer Situation. Man fragt sich, wie das Ganze ausgeht, wie die Zeitreise aufgelöst wird.Ein weiterer Grund warum das gemächliche Tempo nicht für Längen sorgt, sind die tiefgründigen Themen, die in der Geschichte eingebaut wurden. Subtil und doch so vielsagend, gerade zwischen den Zeilen. Die Geschichte löst so viele verschiedene Emotionen aus. Positive als auch negative. Gerade als Frau gehen einem manche Szenen besonders nah und sie zeigen vor allem auch erschreckend deutlich, dass sich manche Dinge selbst über Jahrhunderte hinweg nicht ändern.Die Nebenfiguren sind ebenfalls sehr gut gelungen und haben einen erheblichen Mehrwert. Auf der einen Seite verkörpern sie Unterdrückung und das Patriarchat, während andere für Zusammenhalt, Weltoffenheit und Unterstützung stehen. Sie ergänzen die Handlung und spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Protas.Die Geschichte besticht mit sympathischen, starken Protagonistinnen, einer herzwärmenden Liebesgeschichte und Tiefgang, alles gepaart mit Wortwitz und einer originellen Grundidee. Eine gelungene Sapphic-Geschichte. Perfekt, wenn man etwas für ruhige Lesestunden sucht.