Eine queere Friends-to-Lovers-Romance, die sich zwischen humorvoller Leichtigkeit und emotionaler Selbstreflexion bewegt.
30 Days, 10 Dates & 1 Drama von Lea Kaib ist eine queere Friends-to-Lovers-Romance, die sich zwischen humorvoller Leichtigkeit und emotionaler Selbstreflexion bewegt. Vor der Kulisse Londons erzählt der Roman von der Suche nach Liebe, von Erwartungen an Beziehungen und von der oft übersehenen Nähe, die bereits im eigenen Leben vorhanden ist.Im Zentrum steht Daisy, die nach einer langen Beziehung und einem gescheiterten Heiratsantrag ihr Singleleben beenden möchte. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Mae entwickelt sie eine Dating-Challenge: zehn Dates in dreißig Tagen mit Mitgliedern eines Londoner Theaterensembles. Die Idee dient als narrative Struktur, innerhalb derer Daisy unterschiedliche Begegnungen erlebt, die von amüsant bis ernüchternd reichen. Besonders gelungen sind einzelne Szenen wie der Escape Room oder die Bingo-Veranstaltung, die dem Text Lebendigkeit und situativen Humor verleihen.Erzählt wird überwiegend aus Daisys Perspektive, ergänzt durch Tagebucheinträge, die einen intensiven Zugang zu ihrer Gedanken- und Gefühlswelt eröffnen. Diese Nähe ist eine der großen Stärken des Romans. Daisy wird als tiefgründige, stellenweise chaotische, aber stets nahbare Figur gezeichnet, deren innere Auseinandersetzung mit Liebe, Selbstwert und Erwartungshaltungen nachvollziehbar bleibt. Der Schreibstil ist flüssig, stark humoristisch geprägt und bewusst alltagsnah, was die Lektüre zugänglich macht, jedoch zu Beginn eine gewisse Eingewöhnung erfordert.Die Friends-to-Lovers-Dynamik zwischen Daisy und Mae ist sorgfältig angelegt und entwickelt sich langsam aus einer bestehenden Freundschaft heraus. Gerade diese Basis verleiht der Beziehung Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig bleibt Mae im Verlauf der Handlung etwas zu stark im Hintergrund, da zentrale Entwicklungen vor allem in Daisys innerem Monolog stattfinden und die direkte Kommunikation zwischen beiden phasenweise zurücktritt. Dadurch wirkt das emotionale Finale stellenweise zu abrupt, insbesondere im Verhältnis zur langen Aufbauphase.Auch einige Nebenhandlungen, etwa die Trennung von Daisys Exfreund, werden eher knapp aufgelöst, obwohl sie zuvor eine große Rolle in ihrer Selbstwahrnehmung spielen. Hier hätte der Roman von einer stärkeren Gewichtung profitiert. Dennoch überzeugt 30 Days, 10 Dates & 1 Drama durch seine warmherzige Grundstimmung, die liebevolle Figurenzeichnung und eine selbstverständliche queere Repräsentation.Insgesamt handelt es sich um eine charmante, cozy Romance, die weniger durch narrative Komplexität als durch emotionale Zugänglichkeit, Humor und einfühlsame Figuren besticht. Der Roman eignet sich besonders für Leser*innen, die character-driven Geschichten, Friends-to-Lovers-Tropes und queere Liebesgeschichten mit Wohlfühlcharakter schätzen, auch wenn erzählerisch noch Entwicklungsspielraum bleibt.