Trotz schönem Cover enttäuschend: flache Figuren, viel Tell & wenig Show, kaum Handlung und fehlende Spannung. Nach 300 Seiten abgebrochen.
Ich schreibe nur ungerne eine schlechte Rezension, weil ich nur erahnen kann, wie viel Arbeit und Herzblut in einem Buch steckt. Leider kann ich diesem Buch nur einen einzigen postiven Aspekt abgewinnen und das ist das wunderschöne lilane Cover. Glaubt mir, ich hab es wirklich versucht. Aber auf Seite 280 musste ich dann schweren Herzens abbrechen. Wenn ich mir die vielen positiven Rezensionen ansehe, frage ich mich ehrlich, ob wir dasselbe Buch gelesen haben.Nun gut, wo fangen wir an? Am besten mit dem, was mich am allermeisten gestört hat: Alles, was in den 300 Seiten passiert ist, lässt sich bereits dem Klappentext entnehmen. Vanessas beste Freundin wird von einem Werwolf ermordert. Danach wird sie in den Hof der Werwolfe entführt und aufgenommen. Dabei trifft sie auf den Wolfsprinzen Sinclair und seinen Cousin Calix und haben ein paar nicht sehr tiefe Gespräche miteinander. Ansonsten erwartet euch noch belanglose, nicht sehr interessante Unterrichtsstunden mit ein paar Mean Girls und mit ihrer Art Zofe, die sie bis Seite 300 (und vermutlich darüber hinaus) über das Worldbuilding lehrt. Dazwischen gibt es noch ganz viele innere Monolge von Vanessa, die sich in ihrem Inhalt und sogar Wörtern wiederholen. Das Problem an der ganzen Sache: Es ist nach der Ermordung nach ihrer besten Freundin nichts passiert. Überhaupt nichts, was richtige Spannung erzeugen könnte. Oder zuminest was Interessantes.Die Charaktere blieben flach und ihrer Dialoge wirkten häufig erzwungen und unauthentisch, so dass Charakterbeziehungen uninteressant blieben. Es wurde versucht, ein wenig Humor bei Sinclair und Calix zu generieren, aber das wirkte ebenfalls sehr künstlich und unpassend. Ebenfalls wirkten die Gedankengänge der Protas unrealistisch, z.B. ist Vanessa aufgewacht mit Blut auf ihrer Brust, die das Wort "B*tch" formten. Unberuhigend gewiss, aber dass sie und auch Sinclair glauben, dass sie die Nacht deswegen nicht überleben wird, obwohl sonst nichts anders passiert ist? Überzeugt mich nicht. Vieles an diesem Buch überzeugt mich einfach nicht.Allgemein wurde im Buchsehr viel Tell statt Showbetrieben und das finde ich persönlich sehr anstrengend, weil das Tell sehr, sehr stark gewichtet wurde. Ich hatte das Gefühl, die Autorin meinte dem Leser zuerst das Worldbuilding und die allgemeine Idee des Buches auf hunderten von Seiten erklären zu müssen bevor es endlich losgehen kann (worauf ich übrigens vergeblich immer noch warte). Dabei bevorzuge ich so viel mehr das Learn by Showing. Durch die viele Erkärungen wurde auch einiges vorweggenommen, so dass die Spannung ausblieb. Nicht jeder Charakter muss sich vor Vanessa erklären und wir als Leser müssen nicht sofort die Hintergedanken von jedem verstehen. Aber genau das ist leider passiert, weil die Autorin eben alles erklären musste. Mir fehlte es sehr, kleine Vermutungen während des Lesens aufzustellen. Denn genau das erzeugt ja die Spannung.Zudem bin ich nicht so recht mit der Schreibweise zurechtgekommen. Sicherlich gibt es Schlimmeres, aber die vielen Ein-Zwei-Wörter-Sätze haben mich irgendwann gestört. Und dass die Prota nahezu jeden Satz, den ihr Gegenüber sagt, direkt in kursiv in ihren Gedanken wiederholen muss, damit der Leser ja nicht die Bedeutung jedes einzelnen Wortes übersieht, nervt auf Dauer. Hinzu kamen mehrere seltsame, teils unpassende stilistische Vergleiche.Dann die Protagonistin. Vanessa Hart ist schonmal ein echt cooler Name aber ich habe immer noch nicht verstanden, wer sie eigentlich ist. Ist sie nun wie beschrieben stark und mutig oder warum zittert sie gleich im nächsten Moment vor Angst? Ich hatte das Gefühl, dass sich ihre Charaktereigenschaften je nach Situation verändert haben - überhaupt nicht kontinuerlich. Ihr Antrieb war ihre Wut, weil ihre beste Freundin Celeste ermodert wurde. Das ist nachvollziehbar und dass haben alle Leser spätestens beim dritten wütenden Monolog, dass Vanessa ihre Freundin unbedingt rächen muss, verstanden. Aber nein, wir kriegen diese Erinnerung gefühlt im jeden zweiten Kapitel zu hören. Vanessas Gefühle haben sich durch ihre Werwolfverwandlung verstärkt. Herausgekommen ist ein Teenager mit extrem starken Stimmungsschwankungen, die sich zu oft auf ihre untere Lippe beißt, wenn sie nachdenkt. Vielleicht war das so gewollt, jedoch war es für mich einfach, leider, nur anstrengend. Sinclair und Calix bleiben bisher blass. Warum Sinclair sich zu Vanessa angezogen fühlt verstehe ich nicht, weil ich diese Anziehung beim Lesen nicht spüren konnte.Fazit: Die Autorin meinte es gut, doch es wirkt, als wüsste sie nicht, wie man Spannung aufbaut. Statt Handlung gibt es vor allem viele Erklärungen, wodurch sich die Geschichte stark in die Länge zieht. Sowohl der Schreibstil als auch die Dialoge wirkten wiederholt unauthentisch. Im Allgemeinen konnte mich das Buch nicht überzeugen.Ich freue mich wirklich für alle Leser, die dieses Buch genießen konnten. Für mich persönlich konnte es leider überhaupt nichts leisten.