Vielschichtiger New Adult Roman mit Romance
15+
4,7*
Besonders schön sind auch die beiden Nachworte und vor allem aus dem der Autorin würde ich auch noch gerne was zitieren. "Leyla erlebt schon als junges Mädchen so viel - mehr als die meisten. Das hält sie jedoch nicht davon ab, an sich zu glauben oder ihren Träumen hinterher zu jagen. Sie findet ihren Platz in der Welt, ohne sich schlecht zu fühlen, ohne sich klein zu machen, ohne jemand anderen gefallen zu wollen." Hier ein paar Zitate und die Gründe warum es keine glatten 5 Sterne geworden sind... "Eigentlich bin ich es gewohnt, Leben zurückzulassen, um irgendwo neu anfangen zu müssen. Ich habe den Libanon verlassen, um eine sichere Zukunft zu haben, habe Berlin verlassen um eine sichere Zukunft zu haben, und jetzt verlasse ich Halle, um mir eine selbstbestimmte Zukunft zu erkämpfen. Alles davor habe ich gemacht, weil ich nicht alleine entscheiden durfte. Mir wurde die Aufgabe des verlassens auferlegt. Jetzt mache ich es aus freien Stücken, und das ist härter als alles andere. Die Konsequenzen, für dich gerade stehen und die ich allein tragen muss, fühlen sich schwer auf meiner Brust an." "Nachdem Mama starb, dachte ich, heftiger kann es nicht mehr werden. Ich dachte, unser Onkel wäre das Licht am Ende des Tunnels. Es stellte sich heraus, dass er es uns nur schlimmer machte. Dass die Welt uns keine runden Ecken und weiche Flächen gab. Nein wir bekamen scharfe Kanten, rostige Oberflächen, an denen wir uns immer und immer wieder schnitten." "Emir, seine wunderschönen Augen und seine liebevollen Worte, in einer Welt, die sich doch oft kalt anfühlte." "Unser Onkel hat anfänglich auch nur sein Feierabend Bier getrunken, hat gesagt, dass er alles unter Kontrolle hat. Bis der Alkohol ihn unter Kontrolle hatte."Ich wünsche mir wirklich die Gesellschaft würde endlich anfangen Alkohol als das zu sehen was es ist, ein Nervengift. Kann man machen sollte man aber nicht, vor allem nicht regelmäßig.Ich glaube die Präsenz von der Sucht hat für mich das Buch auf jeden Fall noch mal aufgewertet weil es ein absolut wichtiges Thema ist. Nicht ohne Grund ist eines meiner absoluten Jahres Highlights also so meine TOP 3 "The Glass Girl" von Glasgow. Was mich gestört hat, sind teilweise nur winzige Momente Eigenheiten oder Dialoge oder auch nicht statt gefundene Dialoge. Es sind kleine Spoiler aber es bleibt oberflächlich. Ich finde absolut nicht gut, dass der Protagonist raucht, weil ich finde dass sowas nicht normalisiert werden soll, vor allem nicht mit den guten Charakteren. Rauchen ist scheiße, Punkt. Was das ganze noch ein bisschen schlimmer gemacht hat, war das zweimal die Kippe einfach auf den Boden landete. Das ist ein richtiges scheiß Verhalten. Es ist realistisch weil viele Raucher das machen aber auch hier finde ich man sollte es nicht normalisieren. Außerdem gibt es sehr viele Stellen in denen der Bruder leicht oder sogar stark übergriffig handelt oder halt auch einfach nicht sehr fürsorglich obwohl er sich wahrscheinlich für fürsorglich hält. Er spielt sich wie ein Vater auf und das obwohl er nur zwei Jahre älter ist. Ich hätte mir gewünscht, dass die Protagonisten am Ende ordentlich Tacheles mit ihm redet. Vor allem weil ein leicht sexistischer Spruch von Handwerkern auf der Baustelle fast zu einer Eskalation führt aber das leicht sexistische Verhalten des Bruders halt immer nur als ja er ist zu beschützerisch dargestellt wird.Ich fand absolut nicht okay wie da der Protagonist gehandelt hat, dem Handwerker zu sagen wie scheiße der Spruch war ist absolut fein, selbst im unfreundlichen Tonfall absolut verständlich. Aber auszurasten und dem Gewalt an zu drohen ist deutlich übers Ziel hinaus. Verstehe da die Intention der Autorin überhaupt nicht, der sexistische Spruch wird als extrem misogyn dargestellt aber andere patriarchale gesellschaftliche Normen werden irgendwie hingenommen. Bisschen heuchlerisch.Also jetzt nicht extremes aber halt so kleine mini Nuancen. Ich finde generell die Idee und die Stories aus diesem Verlag so geil und ich will unbedingt mehr aus dieser Reihe lesen. Ich habe mir fest vorgenommen, auf jeden Fall das "Tausend Splitter zu dir" von Antonia Wesseling zu lesen weil ich seitdem das Buch draußen ist der Storygeberin auf social Media Folge aber es ist so ein krasses Thema. Was ein bisschen ungeil ist, irgendwas ist in der Druckerei falsch gelaufen weil auf sehr vielen Seiten mitten im Text so ein ganz dünner 1 cm langer Strich ist wenn dann immer so ein Zentimeter neben dem Rand manchmal tatsächlich auch oberhalb oder unterhalb des Textes aber immer derselbe Abstand zum Rand. Hat ich immer so ein bisschen aus dem lesefluss gebracht. Irgendwie bin ich froh dass ich aktuell so ewig lange brauche und die Bücher die ich während meines Urlaubs gelesen habe zu bewerten. Weil die aktuellen Medienberichte einfach so mega dazu passen. Weil es wichtig ist, dass wir uns Geschichten wie die von Leyla bzw. Batul zu herzen nehmen statt auf die hasserfüllten Worte von der rechten Bubble zu hören. (Habe die Bewertung eig im Oktober geschrieben.)Dabei dreht sich in diesem Buch die Geschichte vor allem ums Tanzen. Aber es geht umso viel mehr, um Heimat, ums ankommen, den eigenen Träumen folgen und um Liebe. Auch um Familienprobleme, die unfassbar viele Menschen in diesem Land betreffen egal woher sie kommen. Weil Alkoholsucht ein riesiges Problem in unserer Gesellschaft ist. Ein vielschichtiger New Adult Roman. Ein Roman, der wie viele andere beweist, dass New Adult mehr als "Softpornos in Pastell" sind. - Die FAZ hat unreflektiert und überheblich nach der Buchmesse über alle Bücher aus diesem Bereich geurteilt. Ich würde Helene Röhnsch gerne mal ne Liste inklusive diesem Titel hier zusammenstellen in der Hoffnung, dass danach reflektiert und informiert über new Adult geschrieben werden kann. 4,7*