Düster, herzzerreißend und wunderschön. Band 5 verbindet große Enthüllungen mit einer emotionalen Tiefe, die lange nachhallt!
Ich weiß gar nicht, wo ich mit diesem Band anfangen soll, weil er mich emotional komplett zerstört hat. Es gibt Bücher, die spannend sind, Bücher, die traurig sind und Bücher, die einen sprachlos zurücklassen. Band 5 schafft irgendwie alles gleichzeitig.Schon die ersten Kapitel erzeugen eine unglaublich bedrückende Atmosphäre. Die Höhleder Zehntausend Götterfühlt sich von Anfang an unheimlich an: dunkel, still und gleichzeitig so, als würde einen ständig jemand beobachten. Dasriesige Höhlensystem mit den verhüllten Götterstatuenhat bei mir die ganze Zeit für Gänsehaut gesorgt, weil man spürt, dass hinter all dem etwas Großes steckt.Und dann kommt die Enthüllung. Dass ausnahmslos alle Statuen Xie Lian darstellen, war einer dieser Momente, in denen ich das Buch kurz zuklappen musste.Zuerst wirkt es fast surreal, doch je länger man darüber nachdenkt, desto trauriger und schöner wird die Szene. Hua Cheng hatdiese Statuen über Jahrhunderte hinwegselbst erschaffen, mit einer Hingabe, die kaum in Worte zu fassen ist.Besonders dieriesige Xie Lian-Statuehat mich beeindruckt. Sie ist nicht einfach nurein Kunstwerk, sondern der sichtbare Ausdruck seiner Verehrung und seiner Liebe.Dass Hua Cheng sich später sogar darüber ärgert, das Schwert nicht perfekt genug gemeißelt zu haben, obwohl die Statue für jeden anderen bereits unglaublich wäre, sagt so viel über ihn aus.Für Hua Cheng reicht nichts weniger als das Beste, wenn es um Xie Lian geht.Überhaupt ist Hua Cheng in diesem Band für mich das emotionale Herz der Geschichte. Er beschützt Xie Lian nicht nur körperlich, sondern fängt ihn auch emotional immer wieder auf. Wenn Xie Lian an sich zweifelt oder glaubt, nicht genug zu sein, ist Hua Cheng derjenige, der ihm bedingungslos zeigt, dass er an ihn glaubt. Er gibt ihm nicht nur Kraft, sondern auch Selbstvertrauen. Gerade deshalb fühlt sich ihre Beziehung nie wie eine typische Romanze an. Sie retten sich gegenseitig auf unterschiedliche Weise.Die Szene, in der Xie LianHua Cheng küsst, gehört für mich zu den schönsten Momenten des gesamten Romans. Natürlich musste ich lachen, weilFeng Xin und Mu Qingkomplett traumatisiert sind und Xie Lian mit seinem panischen ,,Ich leihe mir nur spirituelle Kraft!"alles nur noch schlimmer macht. Aber hinter dem Humor steckt so viel Entwicklung. Früher hätte Xie Lian niemals so gehandelt. Hier entscheidet er sich einfach für Hua Cheng, ohne darüber nachzudenken, wer zusieht.Auch Feng Xin und Mu Qing waren wieder ein Highlight. Ihre Streitereien sorgen selbst in den düstersten Momenten für Humor, gleichzeitig merkt man aber, wie viel Schmerz und unausgesprochene Vergangenheit dahinterstecken. Dass schließlich enthüllt wird, dassNan Feng und Fu Yao die ganze Zeit Feng Xin und Mu Qingwaren, war zwar keine große Überraschung mehr, aber trotzdem ein schöner Moment, vor allem, weil Xie Lian es längst wusste.Der Rückblick in Xie Lians Vergangenheit hat mich dagegen vollkommen fertiggemacht. Zu sehen, wie nach und nach alles zerbricht -seine Freundschaften, seine Familie und sein Glaube an sich selbst- war unglaublich schmerzhaft. Besonders die kleinen Momente der Menschlichkeit haben mich berührt:ein Fremder, der ihm trotz allem seinen Bambushut schenkt, oder die namenlose kleine Blume.Diese Szenen zeigen, warum Xie Lian trotz all des Leids nie vollständig zerbricht. AuchRuoyebekommt durch diesen Band eine ganz andere Bedeutung. Zu wissen, aus welchem Schmerz diesesBandentstanden ist, macht es viel mehr als nur zu einerspirituellenWaffe.Die Kämpfe waren ebenfalls großartig geschrieben.Besonders die Idee, dass sich vier Kriegsgötter zu einem riesigen Schwert verbinden, fand ich unglaublich kreativ.Gleichzeitig steckt darin wieder so viel Charakterarbeit, besonders dadurch, dass Quan Yizhen zwischen Feng Xin und Mu Qing gesetzt wird, damit sie sich nicht gegenseitig bekämpfen.Und dann erscheintder Weiße ohne Gesichtwieder. Obwohl alle glauben, endlich eine Chance zu haben, zerstört er mit bloßen Händendas Bein der gigantischen Statue. Dieser Moment hat mich schockiert. Nicht nur wegen seiner Stärke, sondern weil damit Hua ChengsMeisterwerkzerstört wird. Besonders berührend fand ich, dass Xie Lian in diesem Moment nicht zuerst an den Kampf denkt, sondern daran, wie vieldiese StatueHua Cheng bedeutet haben muss.AuchShi QingxuansGeschichte hat mich sehr berührt. Ihn nach allem, was passiert ist, nicht mehr alsWindmeister, sondern alsBettlerzu sehen, war unglaublich traurig. Gleichzeitig zeigt gerade diese Phase, wer er wirklich ist: Obwohl er alles verliert -seinen Status, seine Kräfte und sein altes Leben- verliert er nie seine Güte oder seine Wärme. Er bleibt derselbe Mensch, der anderen hilft und sein Herz nicht von all dem Schmerz verändern lässt. Gerade dieser Gegensatz zwischen seinem früheren Lebenals gefeierter Gottund seinem Lebenauf der Straßemacht seinen Charakterbogen so besonders.AlsJun Wuschließlich auftaucht, verändert sich die Stimmung komplett. Eigentlich wirkt er wie der Retter, der sofort alles unter Kontrolle bringt. Trotzdem hatte ich beim Lesen dieses ungute Gefühl. Er wirkt fast zu ruhig, zu perfekt und zu allwissend. Die Enthüllung, dassJun Wu und der Weiße ohne Gesichtdieselbe Person sind, hat mich völlig sprachlos gemacht. Obwohl es im Nachhinein Hinweise gab, hätte ich niemals damit gerechnet. Plötzlich wird alles, was man über die Geschichte zu wissen glaubte, infrage gestellt.Besonders spannend fand ich auch die Enthüllungen rund um denStaatspräzeptor Mei Nianqing. Ehrlich gesagt mochte ich ihn schon seit seinem ersten Auftreten. Er war geheimnisvoll und streng, aber auf mich wirkte er nie wie jemand mit bösen Absichten. Eher wie jemand, der mehr weiß, als er sagen kann. Gerade seine Gespräche mit Xie Lian bekommen im Nachhinein eine ganz neue Bedeutung. Man merkt, dassMei Nianqingihn nie kleinmachen wollte, sondern ihn auf eine Welt vorbereiten wollte, in der es keine einfachen Entscheidungen gibt. Umso interessanter fand ich, wieJun Wuversucht, Zweifel an ihm zu säen. Ich mochte sowohlMei Nianqing als auch Jun Wuvon Anfang an. Dadurch zeigt die Geschichte für mich perfekt, wie trügerisch der erste Eindruck sein kann. Manchmal täuscht einen das Bauchgefühl, manchmal liegt es aber auch genau zur Hälfte richtig.Und dann erschienYin Yu. Ich hätte niemals erwartet, dass seine Geschichte mich so treffen würde. Seine Unsicherheit, sein Vergleich mitQuan Yizhenund das Gefühl, niemals gut genug zu sein, wirkten unglaublich menschlich.Jun Wunutzt genau diese Wunden aus. Gerade deshalb fand ichYin YusEntscheidung am Ende so beeindruckend. Er gibt zu, dass er neidisch war undQuan Yizhenzeitweise sogar gehasst hat, aber er entscheidet sich trotzdem dagegen, jemand anderem etwas wegzunehmen.Als er sagt, dass er lieber mit seinen eigenen Fähigkeiten scheitern würde, als mit fremder Kraft erfolgreich zu sein, hatte ich wirklich Tränen in den Augen. Sein letzter Satz -"Aber ich wollte ein Gott sein."- hat mir endgültig das Herz gebrochen. Und dann antwortet Xie Lian:"Es gibt keine wahren Götter auf dieser Welt."Ich glaube, dieser Satz fasst den gesamten Band perfekt zusammen. Immer wieder zeigt die Geschichte, dassGöttergenauso scheitern, zweifeln und leiden wieMenschen. Genau deshalb fühlen sich die Figuren so unglaublich lebendig an.Band 5 verbindet alles, was Heaven Official's Blessing für mich so besonders macht: spannende Kämpfe, erschütternde Rückblicke, überraschende Enthüllungen, Humor und eine emotionale Tiefe, die mich immer wieder völlig unvorbereitet trifft. Vor allem aber erzählt dieser Band von Hoffnung, selbst dann, wenn eigentlich längst keine mehr übrig sein dürfte.Für mich gehört dieser Band bisher zu den emotionalsten der Reihe. Ich habe gelacht, mitgefiebert, geschockt auf einzelne Seiten gestarrt und am Ende geweint. Mehr kann ich von einem Buch eigentlich nicht verlangen.