Ayelet Gundar-Goshen geht in ihrem neuen RomanUngebetene Gästedirekt inmedias res: Uri, der kleine Sohn von Naomi stößt einen Hammer vom Balkon. Dieser Hammer gehört dem arabischen Handwerker, der in Naomis Wohnung arbeitet und sich just in dem Moment auf der Toilette befindet. Der Hammer tötet den Sohn des Lebensmittelhändlers, der keinen Widerspruch darin sieht, einen nationalistischen Politiker bei der kommenden Wahl zu unterstützen und gleichzeitig einen äthiopischen Gehilfen in seinem Laden zu beschäftigen. Der arabische Handwerker wird beschuldigt, den Hammer absichtlich vom Balkon auf einen Israeli geworfen zu haben, der Akt gilt als Terrorhandlung.So weit, so der Grundkonflikt, der im ersten Teil des Romans behandelt wird und als typisch für Gundar-Goshens Schreiben beschrieben werden kann. Denn Naomi stellt den Sachverhalt nicht direkt richtig, sondern schweigt und leidet an ihren Schuldgefühlen. Die anderen akzeptieren den arabischen Handwerker direkt als Täter, dichten ihm gewalttätige Motive an und wollen Selbstjustiz üben.Ungebetene Gäste hätte somit ein großer moralischer Roman über Rassismus, Schuld, Wahrheit und Macht werden können- Themen, die Gundar-Goshen schon in vielen ihrer Romane gekonnt behandelt hat.Doch Gundar-Goshen verfolgt in ihrem neuesten Werk Wege, die ich nicht immer nachvollziehen konnte. Sie verfrachtet Naomi und ihre Familie nach Nigeria. Nachdem Naomi doch die Wahrheit gesagt hat, fühlen sie sich in ihrem Viertel geächtet, der Prozess (Naomi wird angeklagt) geht zudem an ihre Ersparnisse. In Nigeria bietet sich für ihren Mann Juval die Chance, gemeinsam mit anderen israelischen Soldaten das nigerianische Militär zu unterstützen. Nun sind sie die anderen, die Fremden, etwas, was Gundar-Goshen aber nur beiläufig thematisiert, lässt sie die beiden doch fast ausschließlich in der Blase der israelischen Expats agieren. Stattdessenführt sie eine Handvoll Nebenfiguren mit zum Teil eigenen Erzählsträngen ein, allen voran die der Therapeutin Noga. Mit jeder Seite, die man in der 315-Seiten-Lektüre voranschreitet, entfernt sich die Geschichte vom oben beschriebenen Grundkonflikt und öffnet neue Themen.Die Story verliert sich in Nigeriaund mehr als einmal habe ich mich gefragt, was hier denn nun Bemerkenswertes passiert und was erzählt werden soll.Sprachlich ist der Roman wie immer gelungen: Gundar-Goshen schaut genau hin und wählteinen sachlichen und nüchternen Stil. Dieser kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ungebetene Gästehandwerklich doch einige Mängel hat, was besonders am Schluss deutlich wird: Gundar-Goshen versucht, alle Stränge zu schließen, jedoch bisweilen auf banale Weise. Die Geschichte scheint zum Schluss zu verpuffen, zumindest mir erschloss sich die Botschaft und Thematik des Buches nicht.Für mich Gundar-Goshens schwächstes Buch, deswegen nur 3 Sterne.