Warm, spannend und hoffnungsvoll: Eine Geistergeschichte über Heimat, Mut und Freundschaft, die Kinder wirklich erreicht.
Als ehrenamtliche Mitarbeiterin der KÖB Wallhalben lese ich neue Kinderbücher fast immer zuerst selbst - oft laut, oft abends, manchmal mit einem Stift für kleine Notizen daneben. Dieses Buch hat mich schon beim ersten Blick auf das Cover neugierig gemacht: geheimnisvoll, aber nicht zu düster, kindgerecht, ohne kitschig zu wirken. Genau so, dass man es gerne in die Hand nimmt und wissen will, was sich dahinter verbirgt.Inhaltlich geht es um einen Jungen, der seine vertraute Umgebung verliert und in einer neuen Lebenssituation erst langsam ankommt. Dabei stößt er auf etwas Unerklärliches, das sein Leben noch einmal völlig auf den Kopf stellt. Mehr möchte ich bewusst nicht verraten - nur so viel: Die Geschichte verbindet Fantastisches mit ganz realen Gefühlen wie Abschied, Verunsicherung, Mut und Freundschaft. Gerade diese Mischung hat mich sehr überzeugt, weil das Übernatürliche nie Selbstzweck ist, sondern immer die emotionalen Themen trägt.Der Schreibstil ist angenehm klar, lebendig und sehr gut vorlesbar. Die Sprache ist kindgerecht, aber nicht banal, und als Erwachsene hatte ich nie das Gefühl, "mitlesen zu müssen, um mitzuhalten". Im Gegenteil: Ich habe mich oft dabei ertappt, wie ich einfach weitergelesen habe, weil ich selbst gespannt war. Besonders die Dialoge wirken natürlich und tragen viel zur Nähe zu den Figuren bei.Die Hauptfigur ist für mich sehr authentisch gezeichnet. Seine Gefühle, Zweifel und sein Mut wirken echt und nachvollziehbar. Man spürt, dass hier nicht einfach eine "Heldenfigur" geschaffen wurde, sondern ein Kind mit Ecken, Kanten und Unsicherheiten. Auch die Nebenfiguren fügen sich glaubwürdig in die Geschichte ein und geben ihr zusätzliche Tiefe. Genau das macht das Buch für mich so stark: Man kann sich in die Figuren hineinfühlen, egal ob jung oder erwachsen.Warum mich dieses Buch besonders angesprochen hat, liegt vor allem an seiner warmherzigen Grundstimmung. Trotz Spannung und gruseliger Momente bleibt immer ein Gefühl von Hoffnung. Es geht um Zusammenhalt, um Veränderung und darum, dass man neue Wege finden kann, auch wenn man etwas Liebgewonnenes verloren hat. Diese Botschaft halte ich gerade für Kinder für sehr wertvoll.Die Autorin Sabrina Schmohl beweist mit dieser Geschichte viel Fingerspitzengefühl. Ihr gelingt es, ernste Themen leicht und zugänglich zu erzählen, ohne sie zu verharmlosen. Das ist eine Kunst, die nicht viele beherrschen - und die dieses Buch für mich besonders macht.Mein Fazit: Dieses Buch ist ein warmherziges, spannendes und tiefgründiges Leseerlebnis für Kinder ab etwa neun Jahren - und genauso für Erwachsene, die gerne gut erzählt bekommen. Ich freue mich sehr darauf, es in unserer Bücherei weiterzuempfehlen und hoffe, damit viele junge Leserinnen und Leser erneut für das Lesen und für besondere Geschichten begeistern zu können.