Band 6 der Reihe ist spannend, flott erzählt und punktet mit einem starken Ermittlerduo ¿ weist allerdings einige Schwachstellen auf...
DER HECKENSCHÜTZE...Ein Heckenschütze versetzt Oslo in Angst und Schrecken. Scheinbar wahllos schlägt er in der Sommerhitze zu. Eines seiner ersten Opfer ist Emma Ramms Schwester. Umso entschlossener sind Blix und Ramm, den Täter zu stoppen. Während die Temperaturen immer höher klettern, und der Schütze die Stadt weiter terrorisiert, versucht die Polizei ein Muster zwischen den Anschlägen zu finden. Doch der Täter ist ihnen immer einen Schritt voraus und verfolgt seinen eigenen gnadenlosen Plan... (Verlagsbeschreibung)Oslo im Hochsommer: Die Stadt ächzt unter der Hitze, als ein Heckenschütze scheinbar wahllos auf Menschen in der Öffentlichkeit schießt. Unter den ersten Opfern ist Emma Ramms Schwester Irene. Damit wird aus einem Fall, der zunächst nach einem wahllosen Amoklauf aussieht, sehr schnell eine persönliche Angelegenheit. Emma und Alexander Blix ermitteln gemeinsam, denn Blix ist inzwischen nicht mehr bei der Polizei, sondern arbeitet als Privatdetektiv. Während die Polizei davon ausgeht, dass ein psychisch gestörter Täter wahllos Menschen töten will, vermutet Blix dahinter ein viel gezielteres Vorgehen: Die bisherigen Opfer könnten nur der Verwirrung dienen, während der eigentliche Mord noch bevorsteht.Die Handlung wird aus den wechselnden Perspektiven von Emma, Blix, einzelnen Opfern und dem Schützen erzählt. Dadurch entsteht ein ständiges Wechselspiel zwischen Wissen und Nichtwissen. Man bekommt gerade genug Informationen, um eigene Theorien aufzustellen, aber selten genug, um sich wirklich sicher zu sein. Die kurzen Kapitel und die häufigen Perspektivwechsel treiben die Geschichte zusätzlich voran. Besonders im ersten und letzten Drittel entwickelt der Thriller ordentlich Zug. Allerdings ist der Aufbau nicht durchgehend so straff, wie es die Ausgangslage verspricht. Im Mittelteil wiederholen sich manche Gedankengänge und Ermittlungsansätze, und irgendwann ist klar, dass die Polizei den beiden Privatermittlern wieder einmal erstaunlich wenig entgegenzusetzen hat. Dies fand ich teilweise doch sehr überzogen.Blix und Emma haben inzwischen einiges hinter sich (Band 1-5), und ihre persönliche Geschichte ist stets eng mit den Fällen verwoben. Diesmal steht besonders Emma unter Druck. Die Verletzung ihrer Schwester und die Verantwortung für ihre Nichte Martine machen die Ermittlungen für sie zu mehr als einem beruflichen Auftrag. Blix wiederum bleibt der beharrliche, eher nüchterne Ermittler, der sich nicht mit der offiziellen Erklärung der Polizei abfinden will, die ihm zu einfach erscheint. Dass beide inzwischen als Team arbeiten, nachdem Blix seine Polizeikarriere beendet hat, verändert die Dynamik der Reihe spürbar. Als Schwäche der Reihe empfinde ich die Tatsache, dass die Autoren auch diesmal wieder sehr stark auf die persönliche Betroffenheit ihrer Hauptfiguren zurückgreifen. Nach sechs Bänden beginnt sich dieses Muster etwas abzunutzen.Der Täter bleibt lange erstaunlich schwer zu greifen. Das erzeugt Spannung, denn seine Auswahl der Opfer scheint keinen Sinn zu ergeben. Leider wird die Perspektive des Täters vergleichsweise knapp gehalten, obwohl es sicherlich die Möglichkeit gegeben hätte, seine Motive und seine Obsession stärker auszuleuchten. Einige Hintergründe der Auflösung werden zudem eher angerissen als ausführlich entwickelt. Das ist für mich der größte Schwachpunkt des Thrillers. Die Konstruktion des Falls ist durchaus clever, aber die psychologische Ebene hätte mehr Tiefe vertragen. Trotzdem bleibt "Blutregen" über weite Strecken ein spannender Thriller. Die sommerliche Hitze über Oslo, die Angst vor dem nächsten Schuss und die Frage, wer als Nächstes getroffen wird, erzeugen eine beklemmende Grundstimmung. Besonders gelungen fand ich, wie die scheinbar wahllosen Anschläge nach und nach ein anderes Gesicht bekommen. Zum Finale hin zieht das Tempo noch einmal deutlich an und bietet die erwartete Zuspitzung.Die Serie lebt inzwischen mindestens genauso stark von ihren beiden Hauptfiguren wie von den jeweiligen Fällen. Wer Emma und Blix über mehrere Bände begleitet hat, bringt eine emotionale Bindung mit, die der aktuelle Fall gezielt nutzt. Gleichzeitig wäre es langsam an der Zeit, nicht immer noch eine persönliche Katastrophe auf die nächste zu stapeln. Gerade weil Blix und Emma inzwischen als Ermittlerduo etabliert sind, dürfte die Reihe ihnen auch einmal einen Fall gönnen, bei dem nicht unmittelbar das eigene Leben oder die eigene Familie auf dem Spiel steht.Alles in allem eine unterhaltsame und spannende Folge, bei der das Lesevergnügen letztlich die genannten Schwachstellen überwiegt. Ich hoffe jedenfalls auf eine weitere Fortsetzung!© Parden