In einem kleinen Ort irgendwo in Island führt das Schicksal vier Menschen zueinander. Teenagerin Hanna ist mit ihrer Mutter gerade erst hierhin umgezogen und vermisst Reykjavík und ihre Freundinnen. Árni ist seit kurzem erwerbsunfähig, stark übergewichtig und fühlt sich allein. Sein Welpe Alfons soll ihm mehr Antrieb geben. Borghildur vermietet Ferienhäuser und hat vor einigen Jahren ihren Mann verloren. Und dann ist da noch der kleine Aron Snær, ein Außenseiter im Ort, dessen Mutter einfach nicht mehr aus dem Bett aufstehen will."Überlebensstrategien" ist bereits der fünfte Roman der isländischen Schriftstellerin Guðrún Eva Mínervudóttir, der in deutscher Sprache erschienen ist. Die Übersetzung aus dem Original verfasste Anika Wolff. Die Handlung wird aus der Sicht der vier Hauptfiguren erzählt, was sehr spannend ist, da wir so in die Köpfe von Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Lebenssituationen blicken können. Die vier treffen auch im Ort immer wieder in verschiedenen Konstellationen aufeinander, so dass ein kleines Beziehungsgeflecht entsteht.Der Roman spricht auf nur knapp 220 Seiten die unterschiedlichsten Themen an. Hanna verspürt eine tiefe Abneigung gegen das Essen und sehnt sich in die Hauptstadt zurück, in die sie aktuell nicht zurück kann, weil ihre Mutter eine Trennung durchmacht. Árni hat Mühe, seinen Tag zu strukturieren und ist unglücklich in eine Frau verliebt, die ihn nur auszunutzen scheint. Borghildur trauert noch immer um ihren Mann und hat noch nicht recht ins Leben zurückgefunden.Diese drei Menschen kommen am Ende zusammen, um den kleinen Aron Snær zu unterstützen, dessen Mutter in Depressionen versinkt und der sich selbst hasst. Hanna wird seine Sozialassistenz, Borghildur nimmt ihn auf, als seine Mutter ins Krankenhaus muss und Árni heitert ihn mit Alfons' Hilfe und einem neuen Fahrrad auf. Doch es ist nicht nur Aron Snær, der durch die Begegnung mit seinen drei neuen Freunden Stabilität gewinnt, sie selbst finden in dieser Situation zu neuer Stärke und etwas Hoffnung für die Zukunft - auch wenn am Ende des Romans vieles offen bleibt.