Wer bin ich, wenn ich mal einen Moment lang nicht versuche, es allen anderen recht zu machen
"Wer bin ich, wenn ich mal einen Moment lang nicht versuche, es allen anderen recht zu machen?"Ich musste dieses Buch lesen, weil ich wusste, dass ich damit gemeint bin.Mir fällt es schwer nein zu sagen, gehe Konflikten aus dem Weg und belüge dadurch mich selbst - nur, weil es der vermeintlich leichtere, bequemere Weg ist.Ich bin People Pleaser.Und People Pleaser sind immer erst Parent Pleaser. Wie recht sie hat.Natürlich war mir das bewusst, doch hörte ich es noch nie so drastisch formuliert.Es gibt mehrere Verhaltensformen und wir wählen die Unterwerfung - Fawn Response -, um uns sicher fühlen zu können.Ich war erstaunt, wie oft ich mich erkannt gefühlt und mich innerlich gefragt habe, ob die Autorin jetzt über mich persönlich schreibt. Diese Vertrautheit ist der Tatsache geschuldet, dass es vielen so geht. Ein mangelndes Selbstbewusstsein, ein zurückhaltendes und meidendes Verhalten bei Konflikten, das Hintenanstellen eigener Interessen, damit andere zufrieden sind. Und dies jahrelang.Dieses Buch ist keine oberflächliche Abhandlung, sondern geht diesen Verhaltensmustern tiefer auf den Grund. Dabei greift Meg Josephson auf Beispielsituationen ihrer Klient*innen zurück, schildert diese und erklärt, wie es dazu kommen konnte und was man dagegen tun kann. Dabei regt sie die Leser*innen durch gezielte Fragestellungen an, über sich selbst und das eigene Verhalten oder erlebte Situationen nachdenken.Wer sich erwartet, nach der bloßen Lektüre dieses Buch "geheilt" zu sein, den muss ich enttäuschen. Doch man hat sich - hoffentlich - intensiv mit sich selbst, dem eigenem Verhalten sowie dem bisherigen Leben auseinandergesetzt. Was hat jemanden, wie und auf welche Weise geprägt?Um die Gedanken reifen zu lassen und schlussendlich Taten folgen zu lassen, müsste man das Buch mehrmals lesen. Am besten nach erstmaligem Lesen im Ganzen, nun monatlich je ein Kapitel."Wir lernen, den Bedürfnissen aller anderen Vorrang vor unseren eigenen zu geben, und verpassen dabei die Chance, herauszufinden, wer wir wirklich sind, was wir brauchen, mögen und bevorzugen."