Eine Sports Romance über Leistungsdruck, Panikattacken und den Mut, Hilfe zuzulassen.
Mit Falling for No. 89 legt Alicia Sommer den zweiten Band ihrer L.A.-Vipers-Reihe vor, der sich thematisch deutlich von vielen konventionellen Sports-Romances abhebt. Im Zentrum steht NFL-Spieler Kayce James, dessen sportlicher Erfolg von massiven Versagensängsten, Panikattacken und psychischem Leistungsdruck überschattet wird. Die Begegnung mit der Sportmedizinerin Shaila Sterling bildet den narrativen Ausgangspunkt für eine Geschichte, die körperliche wie seelische Verletzlichkeit gleichermaßen verhandelt.Stilistisch überzeugt der Roman durch eine klare, zugängliche Sprache und eine konsequent zweiperspektivische Erzählweise. Diese ermöglicht einen differenzierten Einblick in Kayces innere Zerrissenheit ebenso wie in Shailas eigene emotionale Belastungen. Besonders hervorzuheben ist die Einbettung des Football-Settings: Fachbegriffe, Spielabläufe und Stadionatmosphäre werden nicht bloß dekorativ eingesetzt, sondern als integraler Bestandteil von Identität, Druck und öffentlicher Erwartungshaltung genutzt. Themen wie Leistungszwang, mentale Gesundheit im Profisport und die Tabuisierung psychischer Erkrankungen, insbesondere bei männlichen Athleten, werden nachvollziehbar und sensibel dargestellt.Inhaltlich entfaltet der Roman seine größte Stärke dort, wo er Kayces psychische Krisen ernst nimmt und deren Auswirkungen auf Karriere und Selbstbild reflektiert. Die Darstellung von Panikattacken, Flashbacks und dem schleichenden Kontrollverlust wirkt realistisch und vermeidet Dramatisierung. Auch medizinische Aspekte wie Sportverletzungen und neuropsychologische Risiken werden zumindest angeschnitten und verleihen der Geschichte zusätzliche thematische Tiefe.Die romantische Handlung folgt dem Muster einer Second-Chance-Romance und verbindet Forced Proximity mit einer gemeinsamen Vergangenheit. Hier zeigt sich jedoch eine strukturelle Schwäche des Romans: Die emotionale Entwicklung zwischen Kayce und Shaila verläuft stellenweise sprunghaft. Konflikte werden lange aufgeschoben und lösen sich dann vergleichsweise abrupt, wodurch die Beziehung stärker behauptet als erzählerisch entwickelt wirkt. Insbesondere Shailas Rolle oszilliert zwischen empathischer Stütze und idealisierter Problemlöserin, was ihre professionelle Position teilweise überzeichnet erscheinen lässt.Dennoch gelingt es dem Roman, über klassische Genregrenzen hinauszugehen. Falling for No. 89 versteht sich weniger als reine Liebesgeschichte denn als Erzählung über zweite Chancen, Selbstannahme und die Notwendigkeit, psychische Belastungen ernst zu nehmen. Trotz erzählerischer Ungleichgewichte bleibt das Buch ein thematisch ambitionierter Beitrag zur zeitgenössischen Sports Romance, der vor allem durch seinen sensiblen Umgang mit mentaler Gesundheit überzeugt.