Tillie Cole schafft es mit ihren Werken immer wieder, mich emotional zu erreichen und mich zu Tränen zu rühren. Auch bei write me for you bin ich mit der Erwartung reingegangen, dass sich meine Vorstellungen auch bei diesem Buch wieder erfüllen. Von der Grundidee erinnert es mich ein wenig an 'Das Schicksal ist ein mieser Verräter' und da ich das Buch damals sehr mochte, hatte ich auch die Hoffnung, dass mich diese Geschichte überzeugen kann.
Das Cover gefällt mir sehr gut, es sieht verspielt aus und passt mit den umherfliegenden Seiten und auch vom Titel her zum Inhalt.
Es geht um die siebzehnjährige June, die schon seit Jahren gegen den Krebs kämpft und nun alle Hoffnung auf Heilung verloren scheint. Dabei wollte sie in Zukunft eine erfolgreiche Autorin werden. Doch dann erfährt sie von einer Studie, bei der eine neue Behandlungsmethode ausprobiert werden soll und sieht die Chance auf Heilung. Dort lernt sie weitere Jugendliche kennen, die dasselbe Schicksal erleiden und bekommt nicht nur zu spüren, was wahre Freundschaft, sondern auch Liebe heißt. Auch Jesse ist Teil der Studie, er musste seine vielversprechende Footballkarrierre aufs Eis legen und möchte so schnell wie möglich ins Training zurückkehren. Wird die Behandlung bei den beiden anschlagen?
Die Geschichte rund um Jesse und June konnte mich in vielen Punkten überzeugen, in anderen wäre aber noch ein wenig Luft nach oben gewesen. Was mir gefallen hat, war definitiv der Schreibstil der Autorin, sie schafft es, June und Jesse lebendig werden zu lassen und, dass wir sie gut kennenlernen können. Erzählt wird die Geschichte aus beiden Perspektiven, sodass man die Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten gut miterleben und nachempfinden kann. Dadurch, dass es nicht viele weitere Figuren gibt, liegt der Fokus mehr auf den beiden und ihrer Gefühle füreinander. Zudem konnte mich die Autorin mit den Emotionen und den Ereignissen zu Tränen rühren. Ich war emotional sehr eingebunden und konnte mich auf die Welt in der Geschichte einlassen. Interessant fand ich, dass die Autorin mit einer Geschichte in der Geschichte einen weiteren Handlungsstrang eröffnet hat, der einen alternativen Fortgang der Handlung erzählt und eigentlich wie eine zweite Geschichte und ein zweites Ende für June und Jesse schafft. Das habe ich in der Art noch nicht gelesen, weshalb es auf jeden Fall etwas besonderes ist. Potential hätte ich allerdings noch mehr in der Thematisierung und dem Umgang mit der Krankheit gesehen, die Probleme, physischer und psychischer Natur, hätten gerne noch etwas intensiver behandelt werden können. Außerdem lag der Fokus doch sehr stark auf den beiden Protagonisten und die Nebencharaktere, beispielsweise die weiteren Jugendlichen aus der Studie, rücken eher in den Hintergrund, zwei von ihnen werden etwas intensiver beleuchtet, während die restlichen für mich austauschbar und irrelevant für die Handlung waren. Da hätte ich mich gewünscht, dass auch sie eine etwas größere Rolle und mehr Anteile an der Geschichte bekommen, um den Zusammenhalt der Gruppe stärker fühlen zu können und auch ihre Geschichten kennenzulernen.
Doch trotzdem habe ich das Buch sehr gerne gelesen, da es mich auf emotionaler Ebene komplett abholen und mitreißen konnte. Ich kann das Buch auch jeden Fall auch jüngeren Lesenden empfehlen, aber auch für Fans von 'Das Schicksal ist ein mieser Verräter' ist das Buch definitiv lesenswert.