Weihnachten in Schweden hat etwas Magisches. Lange Nächte, flackerndes Kerzenlicht, Schnee, der alles heller macht. Man stellt sich knarrende Holzböden vor, dampfende Tassen mit Kaffee oder Glögg und dieses leise Gefühl von Ruhe, das sich einstellt, wenn draußen die Welt langsamer wird. Genau in diese Atmosphäre führt Corinna Wieja mit "Herzglitzern und Mistelzweige" und schafft damit von der ersten Seite an einen Rahmen, der perfekt zur leisen, gefühlvollen Geschichte passt.Im Mittelpunkt steht Lin, deren Leben gerade aus den Fugen geraten ist. Eine gescheiterte Beziehung, das drohende Ende ihrer Ausbildung in einer Tierarztpraxis und das schmerzliche Vermissen ihres besten Freundes Jona, der nach dem Abi fortgezogen ist. Die Einladung, ihn im Bed & Breakfast seiner Mutter in Schweden zu besuchen, wirkt wie ein Rettungsanker. Lin reist mit großen Erwartungen an, träumt von einer weißen Weihnacht, Nähe und gemeinsamen Momenten. Doch Schweden empfängt sie nicht nur mit Schnee und Lichtern, sondern auch mit unausgesprochenen Sorgen. Jona ist stark eingebunden, trägt Verantwortung für das B&B und kämpft mit Problemen, die er selbst Lin nicht anvertrauen kann. Gleichzeitig trägt er seit Jahren Gefühle in sich, für die scheinbar nie der richtige Zeitpunkt war.Lin und Jona wirken nicht wie konstruierte Figuren, sondern geradezu echt. Ihre Freundschaft hat Tiefe, Geschichte und kleine, glaubwürdige Rituale. Beim Lesen entsteht das Gefühl, diese beiden wirklich zu kennen, ihre Blicke zu deuten und ihre Unsicherheiten zu verstehen. Das Knistern zwischen ihnen ist spürbar, aber nie aufdringlich. Gerade das langsame Annähern, das Zögern und das ständige Abwägen machen die Friends-to-Lovers Dynamik so überzeugend. Über vielen Szenen schwebt dabei die zentrale Frage: Was, wenn man alles riskiert und am Ende nicht nur eine mögliche Beziehung verliert, sondern auch die innige Freundschaft seit Kindertagen?Corinna Wieja nimmt sich Zeit für diese Entwicklung und das zahlt sich aus. Der Slow Burn wirkt natürlich und emotional, weil er aus vielen kleinen Momenten besteht. Gemeinsame Abende, kurze Gespräche, unausgesprochene Gedanken und Blicke, die mehr sagen als Worte. Das weihnachtliche Setting spielt dabei eine wichtige Rolle, ohne jemals kitschig zu werden. Das kleine B&B, die winterliche Landschaft und die ruhige schwedische Atmosphäre verstärken die Gefühle, statt sie zu überdecken.Ein Zitat bringt das Grundgefühl des Buches sehr treffend auf den Punkt: "Glück kann man eben nicht planen, denke ich, während wir ins Esszimmer schlendern. Und nicht jeder Weg verläuft gerade. Manchmal gibt es Hindernisse, die einen ganz schön fordern können. Aber wenn man die Augen aufhält, kann man sein persönliches Glück finden. Jeden Tag aufs Neue bietet sich eine Chance dafür. Und manchmal begegnet es einem auch auf Umwegen.""Herzglitzern und Mistelzweige" ist ein winterliches Wohlfühlbuch, das genau weiß, was es sein möchte. Es erzählt eine leise, warme und ehrliche Liebesgeschichte. Die schwedische Weihnachtskulisse, das sanfte Tempo und die liebevoll gezeichneten Figuren haben meine eigene Vorfreude auf Weihnachten noch einmal spürbar verstärkt.Fazit:Ein süßer und warmherziger Winterroman, der perfekt in die Vorweihnachtszeit passt und zeigt, dass große Gefühle manchmal genau dort entstehen, wo man sie am wenigsten plant.