Unterhaltsames Zeitreise mit kleinen Abstrichen
1909, München und Oberammergau: Als ledige junge Mutter hat es Sekretärin Viktoria nicht leicht. Bis sie Agnes und Elisabeth in den Alpen begegnet. Agnes, die als eine der ersten Frauen Architektur studiert. Und Elisabeth, die sich um ihre zahlreichen Geschwister kümmern muss und dafür große Risiken eingeht. Zu dritt schmieden sie den Plan, einen heruntergekommenen Berghof zu ersteigern. Doch bis zu persönlichen Freiheit müssen die drei jungen Frauen noch einige Hindernisse und Rückschläge überwinden..."Morgen sind wir wild und frei¿ stammt aus der Feder von Stephanie Schuster, die mich mit ihrer Wunderfrauen - Reihe richtig begeistern konnte. Die nachfolgenden "Glückstöchter¿ waren zwar nicht ganz so meins, dennoch griff ich wieder gerne zu - und wurde diesmal auch nicht enttäuscht. Mit einer unterhaltsamen Zeitreise, die mir trotz kleinen Abstrichen einige nette Lesestunden bescherte.Die Autorin entführt uns diesmal ins tiefste Bayern, wo wir drei sympathischen jungen Frauen begegnen: Viktoria, Agnes und Elisabeth bzw. Liesel, die bald eine tiefe Freundschaft verbindet. Gemeinsam kämpfen die drei für mehr Frauenrechte und Freiheit und gegen gesellschaftliche Konventionen und Vorurteile. Das Ganze wird abwechselnd aus den drei Perspektiven von Agnes, Viktoria und Liesel erzählt und liest sich meist gut weg. Abgesehen von kleineren Längen und der oft verwendeten Dialektsprache, die für mich als nicht-bayerische Leserin etwas schwieriger war. Das Bayrisch- und Rotwelsch-Glossar am Ende half aber bei der Übersetzung.Vor allem die historischen Hintergründe zu den Passionsspielen in Oberammergau fand ich sehr interessant. Dazu kamen noch viele weitere Themen, u.a. Religion, Ägypten, Schmuggel, Architektur usw. Etwas weniger Baustellen hätten es vielleicht auch getan - mir hätten die Passionsspiele als Aufhänger eigentlich schon gereicht. Die Cliffhanger bei einigen Kapiteln waren auch eher nervig als spannend. Und am Ende löste sich alles sehr schnell in Wohlgefallen auf. Das Motiv einer bestimmten Figur wurde zum Beispiel nicht mehr näher erläutert. Ein informatives Nachwort rundete die Geschichte wiederum sehr gut ab. Insgesamt kann ich daher "Morgen sind wir wild und frei¿ mit kleinen Abstrichen empfehlen. Eine unterhaltsame bayerische Zeitreise mit drei mutigen jungen Frauen und interessanten historischen Details zu den Passionsspielen in Oberammergau. Allerdings etwas überfrachtet, teils langatmig und am Ende nicht ganz überzeugend. 4 Sterne von mir.