Welcome Home von Arno Strobel spielt mit einer Angst, die gerade deshalb so gut funktioniert, weil sie etwas vollkommen Alltägliches betrifft: Was passiert, wenn man sich ausgerechnet dort nicht mehr sicher fühlt, wo man eigentlich am geschütztesten sein sollte?
Ines und Marco Winkler haben sich einen großen Traum erfüllt und ziehen mit ihrer Tochter in ihr erstes eigenes Haus. Eine neue Siedlung, nette Nachbarn und endlich ein Ort, der wirklich ihnen gehört. Doch schon bald verändert sich die Stimmung. Etwas stimmt nicht. Schnell wird klar, dass die Gefahr viel näher ist, als ihnen lieb sein kann.
Gerade diese Ausgangssituation hat mir unglaublich gut gefallen. Arno Strobel braucht kein außergewöhnliches oder weit entferntes Szenario, um ein beklemmendes Gefühl zu erzeugen. Ein Haus. Eine Nachbarschaft. Menschen, denen man täglich begegnet. Eigentlich vollkommen normal und genau deshalb irgendwie umso unangenehmer.
Besonders stark fand ich das Gefühl, beobachtet zu werden. Dieses kleine Unbehagen, wenn man nachts ein Geräusch hört oder glaubt, irgendwo eine Bewegung gesehen zu haben, kennt wahrscheinlich fast jeder. Normalerweise dreht man sich noch einmal um und schläft weiter. Hier beginnt man dagegen irgendwann, jedes Geräusch und jede Person zu hinterfragen.
Und natürlich macht Strobel genau das, was ich bei einem Psychothriller liebe: Er lässt einen miträtseln und verdächtigen. Wer verhält sich merkwürdig? Wer erzählt vielleicht nicht die ganze Wahrheit? Ist eine Beobachtung wirklich so eindeutig, wie sie zunächst erscheint? Gerade innerhalb einer Nachbarschaft, in der eigentlich jeder jeden kennt, entwickelt sich dadurch eine richtig unangenehme Dynamik.
Die Siedlung Auf Mons wird dabei fast selbst zu einem Teil der Geschichte. Durch die räumliche Nähe kann man sich nicht wirklich aus dem Weg gehen. Die Menschen begegnen sich, beobachten einander und wissen teilweise mehr voneinander, als einem vielleicht lieb wäre. Dieses Gefühl von Gemeinschaft kippt dadurch immer stärker in Misstrauen.
Auch der Schreibstil hat für mich wieder sehr gut funktioniert. Strobel schreibt direkt, unkompliziert und temporeich, sodass man schnell durch die Seiten kommt. Die Kapitel lassen sich angenehm weglesen und ständig bleibt irgendeine Frage offen, wegen der man doch noch weiterlesen möchte. Dabei lebt die Geschichte für mich weniger von besonders komplexen Charakterzeichnungen als von ihrer Grundidee und der zunehmenden Paranoia. Man möchte wissen, was hinter den Ereignissen steckt und wem man überhaupt noch trauen kann. Gerade dieses Rätseln hat mich immer wieder neue Theorien aufstellen lassen.
Was ich außerdem mochte, ist der Kontrast zwischen dem vermeintlichen Traumhaus und der immer bedrohlicher werdenden Atmosphäre. Ein eigenes Zuhause steht normalerweise für Ankommen, Geborgenheit und Privatsphäre. Strobel nimmt genau dieses Sicherheitsgefühl und dreht es Stück für Stück um. Plötzlich möchte man lieber zweimal kontrollieren, ob die Haustür wirklich abgeschlossen ist.
Mit Welcome Home nimmt Arno Strobel etwas Alltägliches und macht daraus ein Szenario, das zunehmend beklemmend wird. Das Buch zeigt ziemlich schön, wie schnell aus einem Ort der Geborgenheit ein Ort werden kann, an dem man plötzlich jedes Geräusch, jeden Schatten und sogar seine eigenen Nachbarn mit anderen Augen betrachtet. Wer also Psychothriller mag, bei denen die Bedrohung nicht irgendwo weit entfernt lauert, sondern direkt vor der eigenen Haustür, dürfte hier richtig sein. Ein spannender, schnell zu lesender Thriller über Misstrauen, Angst und die unangenehme Erkenntnis, dass vier Wände allein noch lange keinen sicheren Ort ergeben.
Von mir bekommt Welcome Home 4,5 von 5 Sternen.