"Sophie L." kommt mit einem ausdruckstarken und ansprechenden Cover daher. Es ähnelt sehr stark dem Buch "Anna O." welches ich auch bereits gelesen habe. So machte ich mich neugierig an diesen Psychothriller, der stark beginnt. Es geht hier um einen Anruf aus einem Pariser Hotels, welcher Olivia Finn, einer Gedächtnisexpertin an einem Londoner Krankenhaus, erhält: Ihre Großmutter Josephine ist im berühmten Hotel Lutetia aufgetaucht und behauptet, sie heiße eigentlich Sophie und habe hier vor Jahrzehnten einen Mord begangen. Olivia reist demnach sofort nach Paris, um sich um die scheinbar verwirrte Großmutter zu kümmern. Doch diese besteht darauf, dass sie eine verlorene Erinnerung wiedererlangt hat und die Wahrheit sagt. Als Josephine wenig später ermordet wird, ist klar: Jemand möchte verhindern, dass die Vergangenheit ans Licht kommt. Olivia muss sich fragen: War ihre Großmutter wirklich eine Mörderin? Und was hat das Ganze mit Olivias eigenen traumatischen Erinnerungen zu tun? Der Einstieg ist atmosphärisch und spannend, die kurzen Kapitel sowie die drei Zeitachsen sorgen zunächst für einen guten Lesefluss. Besonders gelungen sind die Rückblicke ins Jahr 1945, die emotional am dichtesten wirken und dem Roman eine historische Tiefe verleihen.Trotzdem bleibt das Buch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Statt eines nervenaufreibenden Thrillers entfaltet sich hier eher ein ruhiger Spannungsroman. Viele Figuren, einschließlich der Protagonistin Olivia, bleiben emotional distanziert und wenig entwickelt. Einige Wiederholungen, Längen und früh absehbare Entwicklungen nehmen der Geschichte zusätzlich an Spannung, und die Auflösung wirkt etwas knapp und psychologisch nicht konsequent ausgearbeitet.Insgesamt ist "Sophie L." gut lesbar, mit tollen Zeitachsen und mit einer starken Idee ausgestattet, erreicht aber weder die angekündigte Thriller-Intensität noch die emotionale Tiefe.