Siri Hustvedt legt hier ein sehr privates Buch vor, ein Memoir, in dem sie ihren verstorbenen Mann Paul Auster wieder heraufbeschwört. Aus jeder Zeile des Buchs spricht ihre tiefe Verbundenheit mit ihrem Mann. Und so erklärt sich auch der Titel des Buchs: Paul Auster äußerte kurz vor seinem Tod den Wunsch, als Geist wieder zurückzukommen, um den lebenslangen Dialog mit seiner Frau fortzusetzen. Tatsächlich spürt sie immer wieder seine Gegenwart; ein Gefühl, das wohl viele Menschen kennen, die den Verlust eines geliebten Menschen bewältigen müssen. Für Siri Hustvedt ist es das Schreiben, mit dem sie versucht, wieder zu ihrem Mann zu gelangen.
Siri Hustvedt schreibt ihr Memoir in lockerer, eher assoziativer Form. Sie trägt Erinnerungen an schöne und auch schwere Zeiten zusammen und schildert mit einer kühlen Akribie den Krankheitsverlauf ihres Mannes und ihr gemeinsames Bangen und Hoffen. Auch ihr eigenes Verhalten in der Trauerzeit reflektiert sie mit derselben kühlen Genauigkeit, und dieses hohe Maß an Selbstreflexion ist beeindruckend. In lockerer Folge streut sie Dokumente in ihre persönlichen Erinnerungen: emails, Briefe, Tagebucheinträge oder Ausschnitte aus Paul Austers letztem unvollendetem Roman. Und sie lässt ihren Mann selber noch zu Wort kommen, wenn sie seine Briefe an den neugeborenen Enkel Miles aufnimmt, dessen Aufwachsen er nur einige Monate verfolgen konnte: berührende Briefe eines Mannes, der sein erstes Enkelkind auf tragische Weise verloren hatte.
Das Buch ist aber auch ein Buch über das Schreiben und den lebenslangen Austausch zweier Schriftsteller. Hustvedt und Auster lesen sich ihre Texte vor, sie korrigieren sich gegenseitig, vergleichen ihre Themen, und dieses Buch dokumentiert diesen ständigen, immer wohlmeinenden Dialog zwischen zwei Literaten.
Sicher: das Buch hat Längen. Auf die genaue Auflistung der Medikation hätte ich verzichten können, ebenso wie auf Ergebnisse der Hirnforschung oder z. B. auf die Information, dass Paul Auster seine Boxershorts im Dreierpack kauft. Letztlich sind das aber Petitessen. Siri Hustvedts Sprache ist immer überlegt, ohne Pathos und auch ohne Larmoyanz. Sie beschwört in ihrem Buch auch die Bedeutung des Dialogs, des Austauschs eine wichtige Botschaft in unseren Tagen. Und: hier spricht eine empfindsame und intelligente Frau, und da ist das Zuhören immer ein Gewinn.