Lange Zeit scheint Rosa mit ihrer Vergangenheit Frieden geschlossen zu haben. Doch ein alter Fund in der Familie bringt Erinnerungen zurück, über die jahrzehntelang geschwiegen wurde. Ab diesem Moment drängt sich die Frage auf, was damals geschehen ist und weshalb die Wahrheit so lange verborgen blieb.
Die Geschichte wechselt zwischen der Gegenwart und den Jahren des Zweiten Weltkriegs in Italien. Gerade diese Rückblicke haben die meiste Spannung erzeugt. Stück für Stück wird klar, in welcher Lage Rosa damals war und warum eine Entscheidung aus dieser Zeit ihr ganzes weiteres Leben geprägt hat.
Besonders gut gefallen haben mir die Szenen an der Amalfiküste. Der Garten, den Rosa über viele Jahre gepflegt hat, ist eng mit ihren Erinnerungen verbunden. Dadurch entsteht eine ruhige Stimmung, die sich durch das ganze Buch zieht. Vieles wird nicht direkt ausgesprochen, sondern zeigt sich erst nach und nach in Gesprächen und Erinnerungen.
Die Figuren wirken dabei angenehm menschlich. Niemand ist nur gut oder nur schlecht. Gerade Rosa macht Fehler, trägt Schuld mit sich herum und versucht trotzdem, ihren Weg zu finden. Das hat sie für mich greifbar gemacht.
Nicht ganz überzeugt hat das Erzähltempo. Vor allem in der Mitte wiederholen sich manche Gedanken und Erinnerungen etwas zu oft. Dadurch verliert die Geschichte zeitweise an Schwung. Auch einige Entwicklungen waren früh zu erahnen.
Trotzdem blieb das Interesse bis zum Schluss erhalten. Vor allem die Verknüpfung von Familiengeschichte und Vergangenheit hat dafür gesorgt, dass die Geschichte nicht einfach nur erzählt wird, sondern Fragen aufwirft. Was hätte man selbst getan? Wie lange kann ein Geheimnis verborgen bleiben? Und was passiert, wenn die Wahrheit schließlich doch ans Licht kommt?
Am Ende bleibt ein Roman, der eher leise Töne anschlägt und gerade dadurch wirkt. Keine Geschichte voller großer Wendungen, sondern eine über Menschen, Erinnerungen und Entscheidungen, die noch Jahrzehnte später ihre Spuren hinterlassen.
4 Sterne und eine Leseempfehlung.