Estrella wollte vermutlich nur leben, nicht Teil eines kosmischen Schachspiels werden. Leider hat das Universum andere Pläne
Eine düster-romantische Fae-Fantasy für alle, die gerne zuschauen, wie die Menschheit seit Jahrhunderten in einem übernatürlichen Strategiespiel steckt. Als der Schleier fällt, eskaliert Estrellas ohnehin schon mittelprächtiges Leben in eine Vollkatastrophe mit Glitzer-Rand: plötzlich ist sie "gezeichnet", was in etwa so praktisch ist wie ein Schild mit der Aufschrift "bitte töten". Das Worldbuilding ist angenehm morbide & macht Spaß: verbotene Wälder, alte Flüche, grausame Herrscher & genug magisches Elend, um eine kleine Apokalypse zu inszenieren. Estrella selbst ist sympathisch, auch wenn ihre Fähigkeit, offensichtliche Hinweise zu erkennen, gelegentlich mit der einer dekorativen Zimmerpflanze konkurriert. Der große Twist überrascht entsprechend niemanden außer ihr selbst. Man hat fast das Gefühl, die Geschichte winkt ihm schon zehn Kapitel vorher freundlich zu, während Estrella konzentriert in die falsche Richtung weiterläuft. Das eigentliche Spektakel ist jedoch Caelum. Ich bin schrecklich-schön zwiegespalten zu dieser Figur. Ein Mann zwischen "dunkler Beschützer" & "König des Desinteresses". Seine Dialoge schwanken zwischen gefährlich attraktiv & unfreiwillig komödiantischer Selbstvergöttlichung. Manchmal klingt er, als hätte Narzissmus eine romantische Gedichtsammlung veröffentlicht. Die Beziehung der beiden lebt stark von Schicksalsbindung & chemischer Anziehung... emotionale Entwicklung ist eher Nebensache. Wer nachvollziehbare Liebeslogik sucht, könnte hier kurz verwirrt im Wald stehen bleiben, während das Paar schon längst dramatisch weiterzieht. Dafür liefert das Buch zuverlässig alles, was das Genre verspricht: fated mates, dunkle Magie, Verrat, gefährliche Reisen & Männer, die ohne zu zögern ganze Königreiche niederbrennen würden, solange ihre Auserwählte dabei im richtigen Licht steht. Der Schreibstil liebt Details sehr intensiv. Atmosphärisch funktioniert das gut, manchmal fühlt es sich aber an, als würde die Handlung kurz pausieren, um noch eine weitere Schattierung von "mystisch düster" zu beschreiben (auch das beste Stück wird kreativ umschrieben). Das Buch ist charmant absurd & überraschend unterhaltsam..wie ein verfluchter Wald, durch den man gern weitergeht.