Wieviel hiervon ist autobiographisch
Navid Kermani hat hier auf wenigen Seiten einen sehr und vielschichtigen Roman geschaffen, der von Jens Harzer in sehr passender Weise gelesen wird. Der Ich-Erzähler Navid besucht seinen Freund Rudolf, der am nächsten Morgen assistierten Selbstmord begehen wird. Rudolf, ein Jude, dessen Eltern Holocaustüberlebende waren, außerhalb Deutschlands geboren, aber nun in München heimisch, hat sich politisch von seinem Freund entfernt und zeigt nun deutliche Sympathien für die AfD. Navid, ein in Deutschland geborener Moslem mit persischen Wurzeln, macht sich nun, im Sommer, 2024 Gedanken über die Politik in der Welt, wie sie sich verändert, was Angst macht. Er denkt dabei auch an die Krisenherde weltweit, die aus den Medien wohlbekannten sowie die, über die weniger gesprochen wird. Er reist als Autor in diese Krisenregionen und berichtet, nicht über das Kampfgeschehen in Kriegsgebieten, sondern über Frauen und Kinder und die Auswirkungen, die diese Kriege auf sie haben.Er erzählt auch von seinem Freund Holger, den er seit der Schulzeit kennt, der eine beruflich gescheiterte Existenz ist und dessen einzige Tochter von einem anderen Mann aufgezogen wurde, während er Häuser besetzte und im Hambacher Forst der älteste Baumbesetzer war.Navid macht sich nicht nur Gedanken über die Politik, sondern auch über Religion, Kultur und viele andere Dinge. Aber auch über sein Privatleben und Schwierigkeiten, die sich darin ergeben, erzählt er.Aus meiner Sicht ein sehr dichtes, erhellendes, lesens- und hörenswertes Werk.