»Mama betont immer wieder, dass sie mich liebhätten und Papa es nicht so meinen würde, wenn ich Prügel bekäme.«
Baruna hat das Geschirr nicht ordentlich aufgespült, ihr Zimmer nicht aufgeräumt und malt schon wieder den ganzen Tag. Was ist das nur für ein Kind, denkt ihre Mutter. Schließlich ist ihre große Schwester Katuška so anders - so normal! Sie erledigt ihre Aufgaben ordentlich, macht keine Probleme und schon gar nicht muss man ihr Sachen zwei mal sagen. Hin und wieder reicht es der Mutter und sie schreit herum. Da ihr das jedoch nicht genügt, fordert sie ihren Mann auf mit Baruna zu reden, was jedoch nie passiert. In solchen Fällen schlägt er sie. Wenn Mutter und Schwester mal nicht daheim sind, zeigt ihr Vater eine ganz andere Seite von sich - er kuschelt mit ihr und neigt dazu Grenzen zu überschreiten, als wäre sie - seine Tochter! - seine Partnerin und nicht ihre Mutter.Alles was in diesem Buch steht ist schrecklich und leider zugleich die Realität einiger Kinder - ja, auch heute noch! Glücklicherweise gibt es aber im echten Leben sowie im Buch auch gute Menschen. So trifft Baruna in der Schule auf Lehrer*innen, die skeptisch sind, sich Sorgen machen und immer wieder nachhaken, um sich nicht vorwerfen zu müssen, sie hätten nicht alles probiert, um ihr zu helfen. Mal verschließt sich Baruna vor ihrem Kunstlehrer und ein anderes Mal vertraut sie sich ihm etwas an, weil er sie ernst nimmt, ihre vielen Stärken sieht und nicht verurteilt. Dieses Buch liest sich schnell und einfach, doch kreist es inhaltlich beim, während und nach dem Lesen im Kopf herum, weil es diese Gewalt und sämtliche Verhaltensweisen der Familie sehr realistisch zeigt. Darüberhinaus ist das Buch von so vielen weiteren Facetten gezeichnet und so brilliant umgesetzt, sodass ich hoffe, es wird noch ganz viele weitere Leser*innen erreichen.Wir alle sollten uns hin und wieder fragen: Nehmen wir es nicht wahr, schauen wir nicht genau hin oder sind wir vielleicht einfach zu naiv?