Liz Moores "Der andere Arthur" ist ein tiefgründiger, einfühlsamer Roman, der auf faszinierende Weise zeigt, wie in der Fürsorge für andere die eigene Rettung liegen kann. Die Autorin lässt zwei Außenseiter zu Helden werden und erzählt auf feinsinnige Weise von zerbrochenen Lebensentwürfen, wahrer Freundschaft und unerwarteten Neuanfängen.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Arthur Opp, ein ehemals erfolgreicher Literaturprofessor, der mittlerweile mit 250 Kilo und einer jahrelangen Isolation in seinem Haus lebt, und der siebzehnjährige Kel, der in einem nahegelegenen Vorort lebt und sich mit der Sorge um seine kranke Mutter und der Angst um seine Zukunft herumschlägt. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein: Der eine hat sich in seine physischen und emotionalen Barrieren zurückgezogen, während der andere mit den Herausforderungen des Erwachsenwerdens und seiner familiären Verantwortung kämpft. Doch trotz dieser Unterschiede verbindet sie eine tiefe Einsamkeit, die sie auf unterschiedliche, aber letztlich ähnliche Weise prägt.
Die Begegnung der beiden Protagonisten entfaltet sich, als Kels Mutter nach Jahren des Schweigens mit einem verzweifelten Hilferuf an Arthur herantritt. Moore webt eine Geschichte, die nicht nur alte Wunden aufreißt, sondern auch neue Chancen eröffnet. Der Roman zeigt eindrucksvoll, dass sich in der Verantwortung für andere Menschen oft ein Weg zur eigenen Heilung finden kann.
Der Schreibstil von Moore ist zugleich präzise und poetisch, sie schafft es, die inneren Konflikte der Figuren auf eine Weise zu schildern, die den Leser tief berührt. Arthur und Kel sind keine klassischen Helden, sie sind gebrochene, komplexe Menschen, die mit ihren eigenen Dämonen kämpfen. Doch gerade in ihrer Verletzlichkeit und Unvollkommenheit liegt die wahre Stärke des Romans.
"Der andere Arthur" ist ein feinfühliger und kraftvoller Roman über die Möglichkeit von Veränderung, die Heilkraft von Beziehungen und die unvorhersehbaren Wege des Lebens. Moore gelingt es, mit einem klaren Blick auf das Leben der "Außenseiter" zu zeigen, dass es niemals zu spät ist, neue Verbindungen zu schaffen und Verantwortung für das eigene Leben und das Leben anderer zu übernehmen. Ein absolutes Highlight!