Thomas Manns Erzählung "Wälsungenblut" entführt den Leser in die dekadente Welt eines großbürgerlichen Zwillingspaars, das von Selbstgefälligkeit und kultivierter Überheblichkeit geprägt ist. Nach dem Besuch von Wagners "Walküre" steigern sich Siegmund und Sieglind in eine Atmosphäre aus Kunstverehrung und Selbstinszenierung, die schließlich in einem provokanten Tabubruch gipfelt: ihre inzestuöse Annäherung. Mann verbindet hier die Faszination für den Mythos mit scharfer Gesellschaftskritik und entlarvt die moralische Leere einer Elite, die sich über Konventionen hinwegsetzt. Die Erzählung ist zugleich ironische Parodie und psychologische Studie, die mit stilistischer Brillanz die Abgründe von Leidenschaft, Dekadenz und Selbstverliebtheit offenlegt. Ein Werk, das durch seine provokante Thematik und kunstvolle Sprache bis heute fasziniert und verstört.