Ich habe schon einige Romane von Caren Benedikt gelesen und mag ihren Erzählstil sehr. Aus diesem Grund wollte ich das "Schlosshotel Fuschl" unbedingt lesen, und es hat meine Erwartungen erfüllt. Leserinnen und Leser, die bereits in die Welt von Caren Benedikt kennen, werden auch hier schnell Bekanntes entdecken: eine eindrucksvolle historische Kulisse, liebevoll beschriebene Figuren und eine Familiengeschichte, die von Konflikten und Geheimnissen geprägt ist.Im Sommer 1955 ist die Geschichte im Salzburger Land angesiedelt. Während im Schlosshotel Fuschl die feine Gesellschaft verkehrt, die Salzburger Festspiele stattfinden und am See die "Sissi"-Filme gedreht werden, kämpft Theresa von Reuschenberg darum, ihre beiden Hotels durch harte Zeiten zu steuern. Die Rückkehr von Benedikt, ihrem totgeglaubten Bruder, der nach Jahren in der Kriegsgefangenschaft plötzlich seinen Erbanteil einfordert, bringt das Gleichgewicht, das sie mühsam aufgebaut haben, durcheinander. Alte Wunden brechen auf, und es wird schnell offensichtlich, dass es hier nicht nur um Geld geht, sondern auch um Vertrauen, Schuld und Familie.Die Atmosphäre gefällt mir besonders gut. Die Nachkriegszeit ist präsent, ohne dass sich die Autorin in zu vielen Details verliert. Die privaten Probleme stehen im starken Kontrast zur Filmkulisse und den Festspielen, die eine heile Welt vorgaukeln. Die Hotellerie ist nicht nur Dekoration; sie ist auch die Quelle von Konflikten mit: Personal, Gästebindungen, Krediten und dem Druck, den Glanz zu bewahren.Theresa war für mich eine starke Hauptfigur. Sie handelt oft pragmatisch, trifft nicht immer einfache Entscheidungen und wirkt dadurch sehr authentisch. Auch Benedikt ist keine Figur, die man sofort einordnen kann. Seine Rückkehr bringt viel Spannung in die Geschichte. Nach der Freude über die unerwartete Rückkehr des totgeglaubten Bruders beginnen die Konflikte. Auch das sorgt dafür, dass ich immer weiterlesen möchte. Und dann sind da noch Marie und Sophie, Theresas Töchter, die unterschiedlicher nicht sein können, während Marie pflichtbewusst studiert und in ihrer freien Zeit im Hotel aushilft, plant Sophie ihre Zukunft nicht in Österreich, ohne dass ihre Mutter davon weiß. Die Frage wie es mit den beiden jungen Frauen weitergeht sorgte ebenfalls dafür das ich immer weiterlesen wollte.Wer bereits Das Grand Hotel oder andere Bücher der Autorin gelesen hat, wird einige vertraute Elemente wiederfinden. Das große Hotel als Schauplatz, eine Frau, die Verantwortung übernimmt, und familiäre Konflikte gehören inzwischen fast zu Caren Benedikts Markenzeichen. Insgesamt hat mich Schlosshotel Fuschl sehr gut unterhalten. Der Roman verbindet historische Ereignisse mit einer emotionalen Familiengeschichte und lädt dazu ein, für ein paar Stunden in eine andere Zeit einzutauchen. Im Nachwort berichtet die Autorin von ihrer Recherchearbeit und den wahren Begebenheiten und Menschen, auch das ist sehr lesenswert und macht neugierig auf Salzburg.