Guter Schauerroman im alten Stil. Leseempfehlung!
Eine schaurige Lektüre gefällig? Manchmal leicht verstörend, trotzdem gut unterhaltend? Mit historischem Setting? Fans von E. A. Poe? Dann scheint dieser Roman genau das richtige zu sein.Dann stell dir vor, du bist Leuchtturmwärter. Allein. Dein Arbeitsort "Goliaths Auge": die Abgelegenheit und Einsamkeit pur. Versorgungsschiffe? Vielleicht alle heiligen Zeiten mal, sofern es Wind und Wetter erlauben. Und das kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Und du findest dort ein Tagebuch von deinem Vorgänger. Die Lektüre: nicht gerade aufbauend.Du überlebst, wirst gerettet - kommst nach Edinburgh in die Nervenheilanstalt. Und dein behandelnder Arzt sieht in dir endlich DIE Chance, internationalem Ruhm zu erlangen. Also bist du Opfer hoch zwei. Seine bisherigen Patienten sind alle stark traumatisiert von den Gräuel des Krieges (die auch nicht unerwähnt bleiben). In der Hab-mich-lieb-Jacke wirst du eingeliefert, und kaum derer befreit, verfällst du in deiner Zelle in manische Schwimmbewegungen. Faszinierend. Findet einzig und allein dein Arzt Dr. Pierce.Nun ja, - wirst du Heilung erfahren? Wo beginnt die Wirklichkeit, wo hört der Wahn auf. Wer ist letztendlich Patient und Opfer? Denn auch Dr. Pierce hat einen Leidensweg hinter sich ... und was geschah wirklich?Oder anders ausgedrückt: Trauma meets Trauma und die Grenzen verschwimmen wie der Horizont auf sturmumtoster offener See.Der Roman ist sehr im Stile des Großmeisters Poe verfasst, spielt mit unseren Nerven und auch unserer Geduld. Die Sprache ist leider manchmal etwas holprig, Zusammenhänge sind oftmals erst auf den zweiten Blick erkennbar. Aber nichts desto trotz zieht uns der Autor in den Bann seiner Worte. Der Spannungsbogen bleibt erhalten, und mit (fast) jeder Seite sehnen wir uns der Auflösung entgegen, werden mit der Macht der traumatisierenden Erlebnisse der beiden Hauptprotagonisten mit voller Wucht konfrontiert.Gerne gebe ich eine Leseempfehlung für diesen Roman, der im Original 2023 erschien, und sich hinter seinen "Vorbildern" nicht zu verstecken braucht.