Sehr informativ, doch trocken
Dirty Rome, Sachbuch von Michael Sommer. EBook CH. Beck - VerlagDas alte Rom als eine Mischung aus Weltmetropole und stinkendem MüllhaufenIn diesem Buch zeigt der Bestseller-Autor Michael Sommer nicht wie Rom glänzte, sondern wie und warum es funktionierte. Er zeigt nicht nur die römische Elite, sondern führt uns auch mitten hinein ins laute, dreckige und gefährliche Leben der einfachen Leute im Römischen Reich. Schon von Augustus heißt es er hat ein, aus Ziegeln gebautes Rom vorgefunden und eine strahlende Metropole aus glänzendem Marmor daraus gemacht. Doch Michael Sommer lässt uns hier einmal hinter die Kulissen blicken. Ein populärwissenschaftliches Sachbuch des Althistorikers und Bestseller-Autors.Ganz am Anfang sieht man eine Karte die das ganze Römische Reich in seiner größten Ausdehnung darstellt. Die nächste Karte zeigt die Stadt Rom während der Kaiserzeit, gerade die erste Karte ist schon beeindruckend. Das Buch umfasst zehn umfangreiche Kapitel, mit lateinischen Bezeichnungen, die sich in kleinere Abschnitte aufteilen, die zusätzlich mit einer Überschrift versehen sind. Insgesamt sind viele lateinische Begriffe verwendet worden, Sommer nutzt konsequent die Originalbegriffe der antiken Quellen, nicht alle konnte ich frei übersetzen und verstehen, musste im Anhang nachschlagen. Zum Teil sind Erklärungen beigefügt, der gesamte Schreibstil ist wissenschaftlich, also eigentlich keine Lektüre zur leichten Unterhaltung. Dadurch wird sehr viel Wissen vermittelt, mehr als ich eigentlich vom Buch erwartet habe. Etwas unterhaltsamer hätte ich es mir schon gewünscht, dementsprechend habe ich lange daran gelesen.Ich hätte mir mehr Einblicke über die Lebensumstände, Krankheiten, Alltags- und Arbeitswelt der einfacheren Bevölkerung gewünscht, d. h den Alltag der Unterschicht. In den Bereichen in denen es physisch schmutzig und ärmlich war, viel zu viel habe ich jedoch über die dreckigen Intrigen und schmutzigen Geschäfte der Elite erfahren. Sommer greift Themen wie Korruption, Vetternwirtschaft, Verbreitung von Fake News und Gerüchten im antiken Alltag auf. Durch die Zeitsprüngen in den dargestellten Geschehnissen, habe ich mich schlecht orientieren können.Der umfangreiche wissenschaftliche Anhang belegt die historischen Quellen, das zeugt von einer umfangreichen und gründlichen Recherche, ich war erstaunt, als ich am Ende angekommen bin, dass die Quellenangaben soviel Seiten im Buch umfassen.Die Argumentation folgt einer klassischen geschichtswissenschaftlichen Struktur. Der Titel und das Cover versprechen ein leicht verdauliches True-Crime-Format aus der Antike. Tatsächlich erfordert das Buch jedoch Konzentration und Lesearbeit. Mir war das Buch zu trocken um es flüssig durchzulesen.Inhaltlich hochspannend sprachlich jedoch harte Arbeit. Meine Empfehlung für Geschichtsbegeisterte, Studierende und Leser, die Wert auf echte wissenschaftliche Quellenarbeit legen. 3 Sterne